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Samstag, 13. Juli 2013

Asperger und das Zusammenleben

Die Gesellschaft geht davon aus, dass wenn zwei Menschen sich lieben und schon eine Weile zusammen sind, sie irgendwann zusammenziehen werden. Sie geht davon aus, wenn man sagt, dass man verheiratet ist, dass man zusammen wohnt. Wieso?
Nun, ich denke, dass das einfach historisch bedingt ist. Dass die Leute es nicht anders kennen. Jede Generation macht es so, wie sie es gelernt und auch beobachtet hat. Es scheint natürlich zu sein, dass MAN zusammenzieht. Dass MAN zusammen wohnt. Doch das muss nicht sein. es geht auch anders.  Ich lebe mit meiner Frau zusammen. Aber wohnen nicht zusammen. Wir haben eigene Wohnungen und wohnen nicht mal im selben Ort. Das klappt meiner Meinung nach ganz gut. So hat jedes sein eigenes kleines Reich. Jedes kann seinen Tag so gestalten wie es will. Klar, wenn wir können und die Zeit es zulässt, sehen wir uns. Aber das ist nicht jeden Tag der Fall. Besonders dann nicht, wenn wir beide am Arbeiten sind. In den Ferien ist es anders. Da sehen wir uns jeden Tag.
Es geht auch ohne, dass man zusammen wohnt. Besonders für mich als Asperger ist das die beste Form. Denn ich brauche auch meine Ruhe und meinen Freiraum. Ich muss nicht ständig jemanden um mich herum haben. Klar, bin ich sehr gerne mit meiner Frau zusammen. Klar ist jeder Moment schön. Doch wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, will ich meine Ruhe. Auch sonst brauche ich manchmal auch Zeit für mich. Sie übrigens auch. Es ist muss, wenn man so lebt, für beide stimmen. Ich denke, so minimieren wir auch Stress in der Beziehung. Es ist auch nach so langer Zeit immer noch aufregend, wenn ich meine Frau sehe. Diese Spannung geht doch verloren, wenn man zusammenwohnt. Nun, wie lebt man zusammen, wenn man nicht zusammen wohnt? Ganz einfach. Wir leben ja im Zeitalter von Smartphones. Also klappt das so ohne Probleme. Wir können einander schreiben, chatten oder telefonieren. So haben wir gleichwohl Anteil am Leben des Anderen.
Für viele mag das ein wenig komisch zu lesen sein. Denn sie kennen diese Art nicht. Aber ich denke, es ist eine moderne Art. Das hat für mich nichts mit Egoismus zu tun. Auch nicht damit, dass man einfach nur sein Ding machen will und der Partner ist einfach so eine Art Begleitung. Nein, es ist eine Form welche für mich genau so gut ist, wie wenn jemand immer zusammen ist. Nur mit dem Unterschied, dass wir uns nicht streiten und auch nicht auf die Nerven gehen. Trennen ist jedes Mal nicht so einfach, aber es gehört einfach dazu. Wir sehen uns ja jeweils inner Kürze wieder.
Zusammenleben ist auch belastend. Besonders für Asperger. Denn immer jemanden um sich zu haben, ist stressig. Das Asperger-Syndrom verschwindet ja zu grössten Teil, wenn man alleine ist. Ist aber jemand immer um einem herum, so hat man es konstant. Also ist man immer in diesem Modus. Das wird auf die Dauer sehr anstrengend, und kann sogar zu einem Burn-Out führen.
Zusammenleben heisst für mich nicht zusammen wohnen. Das sind zwei verschiedene Begriffe die auch nicht das Selbe bedeuten. Zusammenleben heisst für mich Anteil haben am Leben des Partners. Aber nicht in Form von Kontrolle und Überwachung. Einfach mit dem Anderen Teilen was man macht oder wo man ist. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Man braucht auch seine Freiheiten.
Zusammen wohnen ist für mich keine Option. Es ist mehr eine Belastung. Es bedeutet eine enormen Organisationsaufwand. Es bedeutet das sich sehr genau auf das Andere abstimmen muss. Das man viel mehr Rücksicht nehmen muss. Es bedeutet auch Stress. Für mich gibt es mehr negative als positive Aspekte. Daher haben wir uns entschieden, das wir nicht zusammen wohnen. Es geht so ganz gut. Wir haben keine Probleme damit. Es ist alles nur eine Frage der Einstellung. Wollen es beide so, so finden sie auch eine Weg, der für beide stimmt.
Auch ist es für einen Muggel auf die Dauer sehr anstrengend immer um einen Asperger herum zu sein. Ich denke, sogar anstrengender als umgekehrt. Dies für dann sicher auch zu Spannungen und Stress. So mit sind beide irgendwann in einer Art Dauerstress. Das ist für die Beziehung auf Dauer nicht förderlich. Im Gegenteil.
Ergo müssen beiden die Form finden, welche für beide am besten ist. Wichtig ist, aber, dass man darüber spricht. Dass es diskutiert wird. Nur so lernen beide Seiten voneinander. Können auf das andere eingehen. Nur so gibt es nicht Unausgesprochenes. Nur so stimmt es dann für beide.