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Dienstag, 23. Juli 2013

Asperger und Stress

Für viele ist Arbeit und Stress das Selbe. Sie sind gestresst weil sie arbeiten. Wenn sie arbeiten, sind deswegen gestresst. Die Aussage: "Wenn ich nicht arbeiten müsste, hätte ich keinen Stress....", ist für mich falsch. Denn, ich war schon viele Male arbeitslos. Das stresst wirklich! Nie wusste, ich, wann ich wieder arbeiten kann und einen geregelten Alltag haben werden. Auch die Vorstellungsgespräche waren stressig. Das ganze Theater mit den Behörden. Auch wusste ich irgendwann nicht mehr was zu Hause machen. Irgendwann ist alles gemacht. Man kann nicht mehr schlafen, weil man zu ausgeruht ist. Das alles stresst!
Seit fast einem Jahr arbeite ich wieder. Für mich ist es nicht so, dass mich das stresst. Im Gegenteil. Ich sehe das ganze nicht als MÜSSEN an, sondern als DÜRFEN. Arbeit ist für mich mehr als einfach nur Geld verdienen und sich mit Dingen befassen, welche einem nicht interessieren. Ich mache meine Arbeit gerne. Für mich ergibt sie einen Sinn. Sie ist für mich sinnvoll, weil ich die Möglichkeit habe, mit anderen Asperger zusammen zu arbeiten, und auch viele eigene Ideen zu realisieren. Es ist für mich viel angenehmer, seit ich bei Specialisterne arbeite. Das erste Mal kann ich so sein, wie ich bin, und muss nicht eine Theater spielen. Eines, welches ich eh nicht beherrsche.
Dies alles nimmt mir den Stress. Stress habe ich manchmal immer noch. Wenn einfach viele Dinge zusammenkommen. Aber das ist nicht schlimm. Es gehört auch dazu. Jedoch nicht konstant. Was es auch nicht ist.
Stress ist für mich das Ergebnis, wenn das eigene ICH nicht mehr mit den Anforderungen klar kommt. Wenn man überfordert ist. Nicht mehr weiss, was man machen muss oder soll. Wenn man nicht mehr klar denken kann. Wenn man nicht kapiert. Jedoch kann das vermieden werden, indem man einfach mal STOPP sagt, oder NEIN. Das ist jetzt wieder einfach geschrieben. Doch in der Praxis ist es so, dass das nicht so eifach ist. Das braucht sehr viel Übung und sicher auch Überwindung. Jedoch lohnt es sich, es auszuprobieren. Das Umfeld weiss ja nicht, das man überfordert ist. Weiss nicht, dass es einem zuviel ist. Sagt man es, so reagieren sie sicher nicht negativ. Im Gegenteil. Im Normalfall sind sie sogar froh, wen man es sagt, dass man nicht mehr kann. Sie versuchen einem dann zu helfen und eine Lösung zu finden.
Doch immer nur zu sagen, dass es nicht geht oder man nicht kann, ist dann aber auch nicht der Sinn der Sache. Ich mache es nur, wenn ich wirklich nicht mehr weiter weiss oder kann. Ich sehe das Leben als Herausforderung an. Da gehört Stress einfach dazu.
Aber seit meinem Burn-Out bin ich vorsichtiger geworden. Ich habe mir angewöhnt, eines nach dem Anderen zu machen. Nicht mehr alles gleichzeitig. Es geht nicht darum, immer alles sofort zu machen. Die Planung ist entscheidend. Das Prioritätensetzen. Das ist wichtig. So vermindere ich den Stress. Aber auch mein Umfeld, besonders meine Frau, fragt mich schon ab und zu, ob alles OK ist, und ich nicht überfordert bin. Auch schaut sie, dass ich nicht zu viel mache. Sie gibt mir die Ruhe und Sicherheit, welche ich brauche. Dank ihr, habe ich auch gelernt, dass das was ich mache, OK ist. Das so wie ich bin, es OK ist. Das ist für mich einer der wichtigsten Schritte, um vom Stress weg zu kommen. Zu erkennen, dass man auch was kann. So denkt man nicht immer, dass man den Anforderungen nicht genügt. Was meiner Meinung nach ein Auslöser für Stress ist.
Stress kann ich auch vermeiden, in dem ich einfach mal zu hause lese oder Musik höre. Einfach nur sein und nicht müssen müssen. Stress brauche ich aber auch, um zu merken, dass ich bin. Ganz ohne Stress möchte ich nicht sein. Ein wenig brauche ich ihn schon.
Jedoch muss jeder seinen eigenen Weg finden, wie mit Stress umzugehen ist. Wichtig ist NEIN zu sagen, und sich eingestehen können, dass man mal überfordert ist oder was nicht kann. Das nimmt schon viel von der Belastung weg.