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Mittwoch, 10. Juli 2013

Asperger und der Emotionsfilter

Die Wahrnehmung von anderen Menschen ist so eine Sache für sich. Nicht immer sind die Absichten klar erkennbar. Nicht immer handeln wir wie erwartet wird. Bei den Muggel geschieht sehr vieles automatisch. Sie müssen nicht denken, sondern handeln einfach intuitiv. Sie erkennen sehr viele der Emotionen des Gegenüber. Sie erkennen wie es dieser Person geht. Nicht immer perfekt, aber sie erkennen doch, das etwas super ist, oder aber nicht stimmt.
Ich erkenne das nicht. Ich besitze so eine Art Emotionsfilter. Dieser ist so stark, dass ich nahezu Nichts erkenne. Das ist für das Gegenüber nicht immer einfach. Denn es geht davon aus, dass ich es erkenne, und auch frage. Mir wurde dieser Filter schon viele Male zum Verhängnis. Schon viele Male habe ich, so denke ich, meine Stelle verloren, weil ich Emotionen nicht erkannte. Nicht erkannte, was die Absichten des Anderen waren. Nicht erkannte, was wirklich abläuft. Ich nehme nur die Information auf mehr nicht. Dazu kommt, dass ich Gesichter nicht sehe. Wie kann ich da Emotionen sehen? Wie kann ich überhaupt etwas sehen?, wenn ich nichts sehe?
Vor Jahren verliess mich meine damalige Partnerin. Dies nach fast 11(!) Jahren. Sie war von einem Tag auf den anderen weg. Sie sagte mir nichts. Sie wurde abgeholt, und das wars. Ich wusste nicht, was Sache ist. Heute weiss ich, dass sie es mir angedeutet hatte. Dass sie es mir gesagt hatte. Doch damals erkannte ich es nicht. Ich war bild. Damit muss ich leben. Wieso sie genau ging, weiss ich bis heute nicht. Ich weiss nicht einmal, was der Auslöser war. Wir lebten zusammen. Wir machten alles zusammen. Und doch war da etwas, was für sie zuviel war. Zuviel, um mit mir weiterzuleben. Das ETWAS, werde ich nie herausfinden. Damit habe ich aber gelernt umzugehen. Wie auch immer.
Heute versuche ich diesen Fehler zu vermeiden. Ich bespreche mit meiner Frau alles, und ich sehe sie. Ich sehe ihr Gesicht. Nun, würde sie nicht immer ihre Emotionen so deutlich zeigen, so würde ich sie auch nicht sehen. Doch sie weiss darum, und deshalb macht sie es. Bei ihr erkenne ich zwar nicht, was genau gut oder schlecht ist, aber ich erkenne, ob alles ok ist oder eben nicht. Immerhin. Für mich ist das ein kleiner Erfolg. Ich versuche das Erlebte zu vermeiden, indem ich mich mehr konzentriere, wenn ich mit meiner Frau zusammen bin. Ich will nicht nochmals so eine Trennung erleben.
Der Emotionsfilter hat aber auch so seine Vorteile. Ich kann mir egal was für Filme anschauen. Es macht mir nichts aus. Gut, Liebesfilme schaue auch nicht, da ich zuviel nicht sehe und erkenne. Aber so Filme Wie SAW oder ähnliches, machen mir nichts aus. Es geht dabei nicht darum, dass ich mich daran ergötze wie andere Menschen am verbluten sind oder gequält werden. Nein, ich sehe sie mir einfach an. Auch Actionfilme oder dergleichen. Hauptsache keine Gefühlsdusselei. Damit kann ich nichts anfangen. Da ich sie nicht sehe. Also lasse ich es. Mit ist eine gute Geschichte mit Action lieber, als eine tiefgründige Geschichte mit viel Liebe und Emotionen. Dies mag für Muggel gut sein, für mich nicht. Ich würde sie eh nicht verstehen.
Im Alltag habe ich gelernt, dass ich vieles nicht erkenne. Das ist auch der Grund, wieso ich die Menschen meide, wenn immer ich kann. Das liest sich jetzt einsam. Aber ist es nicht. Ich bin mit meinem Leben zufrieden. Ich habe eine wunderbare Frau, eine gute Arbeitsstelle. Was will ich mehr? Vieles was mich früher belastet hatte, habe ich weggelassen. Mache es nicht mehr. Das ist meine Weg, denn ich gehe. Lieber weniger, dafür das Richtige, als Vieles, und das Falsche. Seither habe ich nicht mehr so viel Stress und kann mich auch erholen, wenn ich zuhause bin. Das ging früher nicht. Heute kein Problem.
Auch die Zeit mit meiner Frau kann ich geniessen. Wir unternehmen Sachen, schauen uns Filme an, oder schwatzen. Alles im vernünftigen Rahmen. Nicht extrem. So macht es mir nichts aus.
Emotionsfilter sind ein Fluch und ein Segen. Sie ermöglichen mir dass ich mich auf das konzentrieren kann, was ich tun muss, aber sie nehmen mir einen wichtigen Teil der Wahrnehmung. Ich musste das akzeptieren. Musste lernen damit zu leben. Es war nicht einfach. Doch mit den Jahren ging es. Das Wichtigste ist aber, das man sich selber akzeptiert. Das man sich so akzeptiert, wie man ist. Und das das gut ist. Was andere denken, ist deren Problem. Ich für mich, bin so, wie ich bin, und lasse mich auch nicht ändern. Sonst hätte ich ja Schauspieler werden können.