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Donnerstag, 18. Juli 2013

Asperger und die Überempfindlichkeit

Jedem kann es mal passieren, dass er seine Umgebung nicht verträgt. Jeder kann mal ausrasten, weil es ihm zu laut ist. Doch das passiert selten. Im Normalfall hält der Filter vieles zurück. Muggel können sogar scheinbar vieles aus der Umgebung filtern. Sie können Geräusche ausblenden oder sie nicht beachten. Diese Fähigkeit, habe ich nicht. Geräusche sind für mich immer da. Ich nehme sie nur mal lauter und mal weniger laut wahr. Wenn ich sie aber lauter wahrnehme, dann sind sie für mich wirklich laut. Extrem laut. Da wird ein rascheln von Seiten gleich laut wie ein Sturm. Da wird das Geräusch von Autos wie das eines startenden Flugzeuges. Das wird dann zuviel.
Dies alles bringt mich dazu, dass ich nicht mehr reagieren kann. Ich kann dann nichts mehr tun. Die einzige Lösung, welche ich gefunden habe, ist die, dass ich warten muss, bis es vorüber ist. Irgendwann, geht es wieder vorüber. Irgendwann ist mein Gehör wieder normal. Das dauert in der Regel 1-2 Stunden. Es ist dann auch so, dass ich sehr gereizt auf alles reagiere. Ich bin dann unausstehlich. Dies einfach auch darum, weil ich Kopfschmerzen habe. Mich so sehr konzentrieren muss, dass ich nicht ausraste. Mein Ziel in so einem Moment, ist nur noch einen Ort wo es ruhig ist. Besser geschrieben, STILL. Ruhig reicht nicht mehr. Das ist dann auch noch zu laut.
Das Selbe gilt für das Licht. In diesem Moment bin ich extrem lichtempfindlich. Ich vertrage fast kein Licht mehr. Besonders Scheinwerfer von Autos sind da extrem störend. Sie sind dann so hell, dass ich meine ich erblinde. Auch ist es nicht sehr angenehm. Ich kann dann nur noch mit geschlossen Augen dasitzen und warten. Klar, wenn ich selber am Auto fahren bin, dann nicht. Dann muss ich mich extrem zusammenreissen um weiter zu fahren.
Das Mühsame ist, dass ich ab und zu, wenn ich das habe, nicht alleine bin. Meine Frau ist dann die Arme, welche das ertragen muss. Nun, zu Glück hat sie Verständnis dafür. Sie versteht, dass es das bei mir geben kann. Und geht nicht weiter drauf ein. Sie weiss heute, dass sie nichts tun kann, und es einfach ausstehen muss oder soll. Was sie auch macht. Danach geht für mich zumindest das Leben wieder normal weiter, wie wenn nichts gewesen wäre. Ich kann mich jeweils auch an fast nichts erinnern. Da es einfach zuviel war. Das Gehirn scheint das nicht zu speichern. Mir soll es recht sein. So habe ich weniger, worüber ich nachdenken muss.
Das passiert mir auch in anderen Situationen,  in welchen ich überreagiere. Ich kann mich danach nicht mehr erinnern. Ich weiss einfach nichts mehr. Dies ist nicht immer einfach. Besonders dann nicht, wenn ich scheinbar mein Gegenüber mit Worten verletze. Was ich manchmal von meiner Frau zu hören bekomme, schockt mich. Scheinbar bin ich dann eiskalt und extrem brutal. Dies nicht in Form von Beleidigungen, sondern einfach in der Fragestellung und auch in meinen Antworten. Meine Frau weiss aber heute, dass das wieder vorbei geht. Sie erträgt das. Nun, ich scheine Glück gehabt zu haben mit ihr. Denn jemanden zu finden, welcher das versteht, ist nicht so einfach. Aber sie tut es.
Das Problem bei all dem ist, dass ich mich nicht mehr erinnern kann. Für mich ist es schwierig zu glauben, dass ich so sein kann. Dass ich jemand anderes plötzlich bin. Aber ich muss damit leben. Leben mit dem Wissen, dass ich manchmal wirklich komisch bin. Dank meiner Frau habe ich aber gelernt, darauf zu achten. Ich entschuldige mich dann jeweils. Weil das Alles ist, was ich tun kann. Mehr kann ich nicht tun.
Überempfindlichkeit ist manchmal gut. Aber nur dann wenn ich Musik höre. Dann ist es wirklich super. Besser kann man nicht Musik hören. Das gibt ein Klangerlebnis, welches einzigartig ist. Aber leider kann ich es nicht beeinflussen, wann ich das haben will und wann nicht. Leider kann ich es nicht steuern. Aber damit muss ich leben. Und ich lerne jeden Tag wieder dazu. Ich denke, dass es das Wichtigste ist, sich und seine Fähigkeiten und Schwächen zu akzeptieren wie sie sind.