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Dienstag, 16. Juli 2013

Asperger und die Ruhe

Die Welt ist LAUT und HEKTISCH. Immer und überall sind Menschen die Lärm machen. Die schwatzen und lachen. Ruhe gibt es nur zu Hause. Da dringen die Geräusche von Aussen nur schwer herein.
Gehe ich raus, so ist es immer eine Belastung, denn der Lärm ist manchmal fast unerträglich. Die vielen Geräusche sorgen auch regelmässig für Kopfschmerzen und Schwindel. Für Muggel ist es normal, und es scheint ihnen nichts auszumachen. Im Gegenteil, es scheint so, als ob sie das brauchen würden. Und doch, wollen auch sie Ruhe. Sie brauchen auch Entspannung und keinen Lärm. Jedoch frage ich mich, wieso sie dann immer so Einen machen. Für mich ist es paradox. Sie wollen Ruhe und machen Lärm. Sie wollen Frieden und machen Krieg. Sie wollen mit anderen zusammen sein und machen einen auf Ego. Für mich ist das zu komplex. Ich verstehe sie nicht. Wenn ich meine Ruhe haben will, dann achte ich bei allem was ich mache darauf, dass es keinen Lärm oder nur sehr wenig macht. Wenn ich keine anderen Menschen sehen will, bleibe ich zu hause.
Jedoch ist es so, dass ich zur Arbeit fahren muss (darf), einkaufen gehen muss oder sonst was machen darf. Ich muss also auch raus. Muss mich auch dem stellen. Nun, klar, das gehört zum Leben. Aber ich habe mir angewöhnt, dass wenn es nicht sein muss, ich es auch nicht mache. Wieso soll ich mich dem aussetzen, wenn ich nicht unbedingt muss? Wieso soll ich auch ein Teil von dem sein, was ich nicht mag? Eben, deshalb lasse ich es, wenn ich kann.
Mir macht es aber am wenigsten aus, wenn ich mit meiner Frau weggehe. Sie gibt mir die Sicherheit und Ruhe, welche ich brauche. Sie versteht auch, wenn ich mal fast durchdrehe. Sie hat dann so ihre Methoden, um mich zu beruhigen. Klar, das kommt nicht häufig vor, kann aber schon. Mit ihr macht es mir auch nichts aus, mal in eine Shopping-Center zu fahren. Mit ihr macht es mir auch nichts aus einfach durch eine Stadt zu schlendern. Wichtig ist mir nur, dass sie dabei ist. Was mich auch ablenkt, ist wenn ich mit ihr spreche. So werden die Eindrücke von Aussen nicht so schlimm. Mein Gehör ist jedoch so gut, dass ich alles viel zu laut wahrnehme. Ein Geräusch, welches für Muggel keine Bedeutung hat, ist für mich extrem laut. Wie ist es dann wenn es wirklich laut ist? Für viele nicht vorstellbar. Sie meinen immer, dass alle die Welt so wahrnehmen wie sie. Doch sie irren. Es gibt Menschen, besonders Asperger, welche Geräusche und Lichte viel krasser wahrnehmen. Wir müssen damit leben. Viele haben sich sicher damit abgefunden, dass es so ist. Da ich heute darum weiss, weiss ich auch, wie ich vieles vermeiden kann, was mich stresst. Für mich ist diese Erkenntnis sehr wichtig gewesen. Denn ich weiss auch, wie ich mich dagegen schützen kann. nicht perfekt, aber ein wenig. Das bringt schon viel.
Ruhe habe ich nur zu Hause oder bei meiner Frau. Da habe ich auch keine Kopfschmerzen oder Schwindel. Da kann ich einfach sein. Muss mich nicht konzentrieren oder aufpassen, dass ich in jemanden hinein laufe. Muss auch mit niemandem sprechen, ausser mit meiner Frau. Aber das ist kein müssen, sondern ein wollen. Sie ist die Einige bei welcher es mir nichts ausmacht, wenn ich mit ihr spreche. Denn ich kann so sein, wie ich bin. Dies ist auch eine Form von Ruhe für mich. So zu sein, wie ich bin. Denn alles andere ist wieder Lärm. Ich muss auf die Stimme achten, auf Gestiken. Muss übersetzen, was das Gegenüber will. Alles komplex und anstrengend. Alles mühsam. Aber so ist das Leben nun mal. Ich lebe ja schon seit über 38 Jahre. Aber an die Welt da draussen, habe ich mich immer noch nicht wirklich gewöhnt. Ich habe Strategien entwickelt, damit ich da zurecht komme. Mehr auch nicht.