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Donnerstag, 25. Juli 2013

Asperger und eine Ausbildung

Ein Ausbildung ist auch heute noch wichtig. Wichtiger denn je, so finde ich. Denn nur so kann man sein eigenes Leben führen. Wer selber Geld verdient, kann im Normalfall auch darüber selber verfügen. Damit dies aber geschehen kann, muss man einen Beruf erlernt oder ein Studium gemacht haben.
Für viele ist es normal, dass sie eine Ausbildung machen. Für Asperger ist es meiner Erfahrung nach nicht anders. Jedoch gibt es einen kleinen Unterschied. Viel haben ihre Ausbildung nicht beendet. Sie haben irgendwann abgebrochen. Die Gründe dafür sind verschieden. Aber ich denke, etwas Gemeinsames haben sie alle.
Damit eine Ausbildung beendet werden kann, braucht es vor allem Durchhaltewillen. Dieser ist für mich die Grundlange. Besonders braucht man ihn, wenn es nicht gut läuft oder Probleme auftreten. Dann ist dieser wichtig. Fehlt er jedoch, so kommt es zum Abbruch. Dann beginnt das Problem erst recht. Wie weiter? Was jetzt? Wer hilft mir? Nun, ich bin der Meinung, dass sich jeder selber helfen kann, wenn er den will. Dass man nicht alles alleine machen muss, ist mir auch klar. Hilfe holen ist sogar wichtig. Aber, schlussendlich ist jeder für sein Leben selber verantwortlich.
Ich habe selber eine Lehre gemacht. Doch irgendwann war mir das zu wenig. Ich studierte Informatik. Obwohl ich zu diesem Zeitpunk 30 wahr, habe ich es trotzdem nochmals gewagt. Bis heute bereue ich diesen Schritt nicht. Entschieden haben ich dies selber. Studiert habe ich auch selber. Niemand hatte mir damals geholfen. Heute aber, bin ich um diese Erfahrung froh. Denn sie hatte mich gelehrt, dass ich was kann, wenn ich nur durchhalte, und nicht gleich aufgebe.
Leider ist es bei Asperger so, dass sie auch gewohnt sind, dass ihnen die Probleme gelöst werden. Sei es zu Hause oder von Ämtern. Sie haben nicht gelernt, selber zu kämpfen. Dies ist mit besonders bei de jungen aufgefallen. Sie wissen nicht, was es heisst, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Einen Vorwurf machen, kann und will ich nicht. Wieso auch? Jedes Leben hat seinen Grund wieso es so ist wie es ist. Jedoch denke ich, dass die Eltern und die Therapeuten mehr Vertrauen in die jungen Leute haben sollen und nicht immer denken, "der kann das nicht...".
Ich traue meinen Klienten einiges zu. Sie dürfen auch innerhalb eines Projektes selber entscheiden. Sie dürfen Vorschläge machen. Wenn ich denke, dass diese gut sind, so können sie diese auch umsetzten. Die Vorschläge müssen nicht mit meinen Vorstellungen übereinstimmen. Mir ist wichtig, dass sie selber was vorschlagen, aber dann auch die Verantwortung übernehmen, wenn es nicht klappt, oder nicht so wie es soll.
Eine Ausbildung ist für Asperger genau so wichtig wie für Muggel. Beide wollen und sollen eine eigenes Leben führen können. Dies nach ihren Vorstellungen, ohne das immer jemand sagt, was zu tun ist. Eine Ausbildung kann auch das Sozialsystem entlasten. Denn wer selber Geld verdient, zahlt da ein, statt zu beziehen. Insofern ist es auch für den Staat interessant, dass Asperger arbeiten, und nicht nur Sozialleistungen beziehen. Wir können und wollen arbeiten. Das sage ich immer. Wir brauchen aber nur die richtige Umgebung, dass wir dies auch tun können. Ist sie gegeben, so ist schon viel geschafft.