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Montag, 27. Januar 2014

Asperger und das Schweigen

Die Muggel sind laut. Sie sind hektisch. Sie haben immer etwas zu besprechen. Sie müssen oder wollen sich austauschen. Egal was sie gerade machen, sie wollen es immer jemandem mitteilen. Dies ist sicher auch einer der Gründe, wieso die SocialMedias so erfolgreich sind. Man kann sich austauschen. Kann mitteilen, was man wo gerade macht. Aber es dient sicher auch zur Selbstdarstellung. Es geht doch auch darum, dass man sich vergleichen kann. Dass man dem anderen das Gefühl geben kann, man sei besser oder zumindest anders.
Wieso Muggel das machen, ist mir nicht klar. Ich spreche auch gerne. Aber nicht immer. Ich muss auch niemandem mitteilen was ich gerade mache. Wo ich bin. Wenn ich nicht sprechen muss, dann tue ich das auch nicht. Wen ich lange nicht sprechen muss, dann ist das so. Ich habe schon, als ich arbeitslos war, wochenlang nicht viel gesprochen. Nur wenn ich wirklich musste. Klar, mit meiner Frau spreche ich viel. Aber wir sehen uns ja auch nicht jeden Tag. Sonst kommunizieren wir per SMS. Das ist ja schreiben und nicht sprechen.
Sprechen ist für mich viel anstrengender, als schweigen. Schweigen ist einfach. Einfach nichts sagen. Doch ich denke, dass die Muggel Mühe damit haben. Sie sind ständig am sprechen. Wenn sie niemanden haben, dann rufen sie wen an. Im Zug sehe ich das immer wieder. Wieso können die nicht einfach nur da sitzen und ruhig sein. Wieso nicht einfach Musik hören oder lesen? Klar, es gibt schon solche die machen das. Aber viele haben immer wieder das Bedürfnis zu schwatzen. Oder sie tippen auf ihrem Smartphone rum. Hauptsache sie haben das Gefühl, dass sie nicht alleine sind.
Ich habe dieses Gefühl nicht. Weiss nicht einmal, was das ist. Ich bin ja immer mit mir zusammen. Bin nie alleine. In Gedanken ist auch meine Frau immer bei mir. Das heisst aber nicht, dass ich nur an sie denke. Sonst könnte ich ja sonst nichts tun.
Schweigen ist etwas, das die Muggel meiner Meinung nach lernen müssten. Sie müssten lernen, was es heisst, ruhig zu sein. Sie wollen, dass wir sie verstehen. Das wir so werden wie sie. Aber sie kommen nicht af die Idee, von uns was abzuschauen. Sie können nur so denken, wie sie eben denken können. Das jemand anders ist, oder anders denkt, übersteigt ihre Vorstellung. Wir aber müssen uns jeden Tag damit befassen. Werden immer wieder mit neunen Herausforderungen konfrontiert. Müssen uns der Welt stellen. Müssen versuchen so gut es geht, durch den Tag zu kommen.
Die Muggel meinen, dass Autisten nicht viel sprechen. Dass sie meistens schweigen. Nun, sie haben sich noch nie gefragt wieso. Weil es für uns schwierig ist, mit Muggel zu sprechen. Es ist anstrengend. Zumindest für mich. Ich erlebe jeden Tag Autisten, wie sie einfach miteinander sprechen. Ganz normal. Nicht bloss in Satz, sondern ganze Diskussionen. Wir können es schon. Es kommt nur drauf an, mit wem. Muggel können am besten mit ihresgleichen sprechen, wir mit unsersgleichen.
Viele Gedanken oder Ideen behalte ich für mich. Weil, ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich nicht verstanden werde. Das meine Gedanken nicht nachvollzogen werden können. So sage ich lieber nichts. Wenn ich was sage, dann kann es passieren, dass ich nicht ernst genommen werde. Das mir nicht zugehört wird. So sage ich lieber wenig bis nichts. Nur wenn ich muss, sage ich was. Nur wenn ich gefragt werde. Wieso soll ich meine Gedanken teilen, wenn sie nicht nachvollzogen werde können? Ich sehe die Welt nicht mit den Augen des Materialismus. Ich sehe sehe geistig. Mir sind geistige Werde lieber, als Materie. Ich hange nicht an Gegenständen. Aber an Ideen, Anschauungen, Philosophien. Damit kann ich was anfangen. Doch die Muggel nicht. Sie müssen anfassen können. Müssen sehen können. Nur so begreifen sie.
Also schweige ich lieber, und halte meine Gedanken für mich. Das macht mich nicht unglücklich oder traurig. Es ist das, was ich seit immer schon gewohnt bin. Das ist das, was ich am Besten kann.
Da fragen sich die Muggel, wieso Autisten nichts sagen. Nun, es liegt ganz einfach daran, dass sie uns nicht verstehen. Würden sie unsere Sprache beherrschen, so wäre es einfacher für uns. Wir müssen ja auch deren Sprache lernen.