Dieses Blog durchsuchen

Translate

Donnerstag, 4. Juni 2015

Asperger und die Einsamkeit

Einsamkeit ist für mich nicht das abwesend sein von Menschen. Es ist nicht der fehlende soziale Kontakt. Einsamkeit ist für mich wenn ich keine Gedanken Bilder habe. Wenn ich nicht mehr weiss was tun was kommen wird.
Selbst wenn ich alleine zu hause bin fühle ich mich nicht einsam. Wie auch? Meine Frau ist ja immer erreichbar. Dennoch ist es so, ich vor mir selber einsam sein kann. Dass ich selber in mir nicht anwesend sein kann. Das ist dann der Fall wenn ich müde bin. Nicht mehr kann.
Einsamkeit ist aber auch das Fehlen von Ideen. Ideen die ich brauche damit ich weiter komme. Damit ich was tun und bewirken kann. Nicht einfach bloss sein oder tun was andere sagen. Das ist für mich Einsamkeit.
Viele denken dass Autisten einsam sind. Sicher sind sie das. Sie wollen auch Kontakt zu anderen Menschen. Nur wissen sie nicht wie. Aber sie sind es auch nicht. Denn zumindest ich bin im Normalfall nicht einsam. Den ich bin bei mir. In meiner Welt. Einer Welt in der ich denken kann was ich will. In der ich bestimmen kann.
Ich weiss wie es ist wenn man einfach zu hause. Wochenlang. Keinen Kontakt. Nichts. Jeder Tag ist gleich. Jeder Tag ist mühsam. Aber nicht wegen der Abwesenheit von Menschen sondern weil ich keine  Aufgabe mehr hatte. Einsam habe ich mich nicht gefühlt. Wieso sollte ich. Denn auch diese Zeit hatte ihr Gutes. Ich lernte viel über mich. Lernte, dass ich auch alleine leben kann. Was ich ja heute immer noch tue. Obwohl ich verheiratet bin, lebe ich allein. Das ist unsere Art wie wir leben wollen. Zu viel Nähe ist dann auch wieder nicht gut. Aber mich deswegen einsam fühlen? Nein. Wie wollen es ja so.
Ich denke es kommt immer auf die Einstellung an. Darauf was man aus seinem Leben macht oder machen will. Für mich ist Einsamkeit etwas das ich selten erlebe. Aber nicht lebe. Denn ich kann mich auch an Kleinigkeiten freuen. Wer sich freut der ist nicht einsam. Nur, die Linie zwischen guter Laune und einer Depression ist der dünn. Ich muss immer aufpassen dass ich nicht von der einen in die andere gelange. Also wieder depressiv werde. Das muss nicht sein.
Einsam kann man auch sein, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist. Wenn man nicht verstanden wird. Nicht beachtet wird. Auch das kann es geben. Ich denke viele Menschen sind einsam obwohl sie Menschen um sich haben. Eingebunden sind. Aber nicht sich selber sind. Das ist genau das, was ich lernen musste. Mich selber zu sein. Mich selber zu kennen. Nur wenn man mit sich im Reinen ist, kann man frei sei. Nicht einsam verbittert. Das war mal. Ich kenne das Gefühl einsam unter Menschen zu sein. Für mich stellt sich die Frage, wird man unter Menschen einsam oder wenn man alleine ist. Ich denke ersteres. Denn alleine sein führt nicht zu Einsamkeit. Bei mir ist das jedenfalls so. Unter Menschen komme ich mir auch heute noch manchmal einsam vor. Denn ich erlebe es immer mal wieder, das ich mich nicht verstanden vorkomme. Das ist wohl das Los das ich als Autist habe. Nicht verstanden werden aber auch nicht zu verstehen. Das ist auch so ein Problem. Einsamkeit kann doch auch deshalb entstehen wenn man die anderen nicht verstehen. Nicht versteht was sie wirklich meinen.
Seit ich mit der Welt nicht mehr viel Kontakt habe ist es für mich angenehmer. Ich muss nicht immer alles interpretieren. Versuchen zu verstehen. Ich kann einfach nachfragen. Was ich auch tue. Nachfragen hilft. Es ist erleichtert mir vieles. Nur, einfach war das nicht. Denn ich musste lernen das ich fragen darf soll. Fragen hilft gegen die Einsamkeit unter Menschen zu kämpfen. Denn Fragen geben dem Gegenüber das Gefühl ernst genommen zu werden. Aufmerksamkeit. Sonst beachten einem die Menschen nicht. Sie wollen Aufmerksamkeit. Sich nicht selber einsam fühlen.