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Montag, 9. Juni 2014

Asperger und das Detail

Betrachte ich ein Bild, so sehe ich das Ganze, aber auch nicht. Mir fallen Kleinigkeiten auf. Ich sehe Fehler. Ich sehe das, was die Muggel nicht sehen. Wenn ich etwas durchlesen muss, dann sehe ich aber keine Fehler. Ich kann Fehler nicht sehen. Obwohl ich die Sprache kann, sehe ich sie nicht. Die Fehler. Wieso weiss ich auch nicht. Details sind für mich das Ganze. Das Ganze ist ein Detail.
Wenn ich mit jemandem spreche, geht es mir nie um das Ganze, sondern immer nur um einen Punkt. Um ein kleines Etwas. Das kann ein Kabel sein. Aber auch einfach eine Kaffeesorte. Spielen tut es keine Rolle. Wieso auch? Für mich ist das Detail wichtig.
Spreche ich mit anderen Asperger, ist es normal, das wir uns über Details unterhalten. Die Muggel kommen da nicht mehr mit. Sie verstehen nicht, wieso wir uns über, aus ihrer Sicht, Kleinigkeiten unterhalten können. Und das nicht nur Minuten, sondern Stunden. Sie können das nicht.
Auf der anderen Seite hat das Verhalten der Muggel auch seine Vorteile. Da sie nichts mit Details anfangen können, kommen sie schneller zu Ziel. Sie überblicken das Ganze. Sehen das Gesamtbild. So können sie schneller und flexibler reagieren.
Ich hingegen muss mir alles mühsam zusammenbauen. Im Kopf. Muss alles mühsam erarbeiten. Kann nicht einfach loslegen. Muss alles überlegen, durchdenken. Muggel können einfach loslegen. Sie verlassen sich auf ihre Erfahrung und Intuition. Ich habe nur meinen Verstand. Ich kann nur denken. Erfahrung, ja, die habe ich auch. Doch was bringt sie mir in einer neues Situation? Ich meine, jede Situation ist neu. Muss genau betrachtet werden. So ist immer alles neu. So ist immer alles wieder von Anfang an. Das ist ermüdend. Ich denke, dass ist einer der Gründe, wieso viele Asperger Veränderungen nicht mögen.
Veränderungen erfordern ein Gesamtbild von der Situation. Sie erfordern keine Detaildenken. Sie erfordern das Handeln, nicht das Denken. Doch das Leben ist nicht beständig. Ständig gibt es neue Situationen. Neue Herausforderungen. Das ist nur mal so. Da mit dem Detailblick klarzukommen, ist nicht immer einfach. Es erfordert sehr viel Energie.
Der Blick für das Detail hat aber auch sein Gutes. Wenn es um Qualitätssicherung geht. Ich denke, da sind wir besser als die Muggel. Wir sehen Fehler und Abweichungen sofort. Wir müssen sie nicht suchen. Zumindest mir geht es so. Ich kann kein Produkt kaufen, das nicht perfekt ist. Das ist besonders bei Schuhen nicht einfach. Ich sehe jede noch so kleine Abweichung der Naht. Da sie Richtigen zu finden, das ist eine Herausforderung.
Aber generell davon zu sprechen, das alle Asperger die Details sehen, ist für mich zu allgemein. Nicht alle können das. Es gibt auch Muggel die das können. Bei uns uns ist dies einfach häufiger. Wir können es einfach. Nicht alle, aber viele. Auch können wir das einfach sagen, das was nicht stimmt. Die Muggel haben da so ihre Mühen. Sie wollen niemandem zu nahe kommen. Sagen es dann umständlich, statt direkt.
Wenn ich einen Fehler entdecke, das sage ich das so wie es ist. Mir geht es um den Fehler, nicht darum, wie sich der andere fühlt. Das ist mir egal. Der Fehler ist wichtig. Wieso sollte ich etwas beschönigen, das falsch ist?
Muggel können genau das nicht. Ich denke, dass ist auch einer der Gründe wieso sie so viel sprechen, ohne was zu sagen. Sie sprechen umständlich und ungenau. Sie sprechen nicht in Details. Für mich ist das einer der grössten Unterschiede in der Sprache. Muggel sind ungenau wir genau. Weder das Eine noch das Andere ist besser. Was es aber braucht, ist, das Beides zusammen gebracht werden soll. Wir müssen uns ergänzen. Wir müssen lernen, das wir von einander viel lernen können. Doch dazu muss man auch bereit sein und nicht immer auf dem beharren, was man für richtig oder falsch hält. Die Toleranz und das Verständnis sind dafür der Schlüssel zum Erfolg.