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Dienstag, 24. Juni 2014

Asperger und kein Ziel

Im Leben, so höre ich immer, wieder, braucht man Ziele. Nun, was für Ziele? Für mich ist dieser Satz nicht zu gebrauchen. Da ich nicht weiss, was damit gemeint ist. Ziele zu definieren, ist nicht so einfach. Besonders dann nicht, wenn es um das eigene Leben geht.
Die Frage ist doch, was will ich erreichen? Wie soll mein Leben aussehen? Für mich sind das grosse Fragen. Heute stelle ich mir die nicht mehr. Früher, ja, da habe ich mir einen grossen Plan zurechtgelegt. Aber er hat keine Ziele enthalten sondern nur Ideen, wann ich was wie erreichen will. Der Plan umfasste eine Zeitspanne von 20 Jahren. Das liest sich jetzt sicher unglaublich. Ist aber so. Ich habe mir mit 16 einen Masterplan erstellt, welcher bis 36 ging. Erreicht habe ich davon einiges, aber nicht alles. Das, was ich  nicht erreicht habe, ist nicht schlimm. Es sind andere Dinge hinzugekommen. Zum Teil viel bessere.
Die Zukunft kann ich nicht vorhersehen. Wie auch? Doch habe mir gesagt, dass ich irgendwie durch das Leben kommen muss. Dass ich auch etwas daraus machen will. Nun, es ist in den letzten Jahren einiges passiert, dass ich nicht vorhergesehen habe. Die Diagnose Asperger. Die hat mein Leben von Grund auf verändert. Denn ich musste erkennen, dass ich nicht nur planen sollte, sondern auch leben. Dass ich nicht nur denken sollte sondern auch handeln.
Meine Frau, die habe ich auch nicht vorhersehen können. Sie ist aber das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Seit ich mit ihr zusammen bin, habe ich endlich auch ein Ziel. Mit ihr den Rest meines Lebens zu verbringen. Ich bin nicht mehr ohne Ziel.
Was ein Ziel ist und was nicht, ich denke, dass muss jeder für sich definieren. Ich definiere ein Ziel als etwas wirklich Grosses. So wie im Abschnitt Oben beschrieben.
Asperger haben geben über den Muggel einen Nachteil. Sie brauchen genau definierte Aufträge mit einem Ziel. Sonst können sie nicht arbeiten. Muggel können mit ungenauen Aufträgen besser umgehen. Sie sehen schneller, was zu tun ist und was nicht. Asperger haben damit Mühe. Keine Ziele zu haben ist so eine Sache. Es ist einfacher ohne Ziele zu leben. Aber ist nicht einfach ohne Ziele zu arbeiten. Das ist wieder ein Paradox. Denn ich will keine Ziele, brauche aber Ziele.
Es gibt Tage, da lebe ich einfach. Denke nicht viel nach. Gehe arbeiten. Komme nach Hause. Gehe arbeiten. Nur, das dauert nicht lange. Dann beginne ich wieder zu denken. Zu planen. Ich muss immer was planen und denken. Das ist so. Doch ich definiere mir keine Ziele. Ich meine, was passiert, wenn  ich sie nicht erreiche. Wenn ich die eigenen Ziele nicht erreichen kann? Habe ich dann versagt. Es wären ja meine eigenen Ziele. Die sollte ich doch erreichen können? Nun, das muss eben nicht sein. Deshalb lasse ich das mit den Zielen seit Jahren. Ich will nicht mehr versagen. Das ist eine Sache, die ich nicht mehr will. Die Ziele die ich mir gestellt habe, waren nur für mich. Das heisst, ich war der Einzige, der beurteilen konnte, ob ich das Ziel erreicht habe, oder nicht. Nun, wenn nur eine Kleinigkeit nicht erreicht wurde, dann war alles nicht erreicht. Ich hatte versagt. So meine Definition. Das machte das Leben nicht gerade einfach.
Heute ist es so, dass ich mir im Privaten keine Ziele mehr setze. Ich weiss, dass mich das nur noch mehr stressen würde. Zumal ich nicht wieder vor mir selber versagen will. Ich nehme heute jeden Tag so, wie er ist. Lebe aber nicht einfach in den Tag hinein. Das nicht. Doch statt eines Zieles, definiere ich für mich einen Sinn. Wenn ich einen Sinn in dem sehe, was ich tue oder tun soll, dann  ist es für mich in Ordnung. Wenn nicht, lasse ich es bleiben. Der Sinn ist für mich wichtig. Nicht das Ergebnis. Sinnlose Arbeit mache ich nicht mehr. Sinnlos einfach leben, tue ich nicht mehr. So habe ich kein Ziel sondern kann einfach befreiter leben. Das mit dem Sinn  mache ich schon seit Jahren so. Bis jetzt klappt es sehr gut. Ich habe seither auch nie mehr das Gefühl, dass ich versagt habe. Im Gegenteil, ich habe so viel mehr erreicht als wenn ich nur nach Zielen leben würde. Diese Art des Denkens, hat meinen Geist befreit. Ich kann freier denken. Kann freier handeln. Bin nicht mehr gefangen in dem Gedanken, dass ich was erreichen MUSS, das ich mit selbst gesetzt habe.
Für mich war dieser Schritt sehr wichtig. Denn er verhindert, dass ich mich wieder selbst überfordere. Dass ich wieder in der Klinik lande. Das brauche ich nicht mehr.
Vielmehr habe ich heute ein Leben, dass ich für mich als lebenswert betrachte. Ich habe die für mich perfekte Frau gefunden. Habe eine Arbeit die mir gefällt. Beides konnte ich nicht vorhersehen. Beides hat mich zum Umdenken bewogen. Ich denke, dass ist wichtig, dass ich mein Denken umgestellt hatte. Dass ich für mich erkannt habe, wie ich leben will. Wie ich denken will.