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Samstag, 28. Juni 2014

Asperger und Ruhe

Die Ruhe ist etwas, was ich sehr brauche. Mein Gehör ist extrem empfindlich. Das leiseste Geräusch kann mich aus der Ruhe bringen. Auf der anderen Seite habe ich bestimme Geräusche gern.
Dazu gehört für mich ganz klar die Musik. Die ist ja auch nichts anderes als Geräusche. Einfach strukturiert. Auch mag ich das pfeifen der Vögel. Vögel sind für mich sehr wichtig. Wenn ich auf meinen Balkon gehe, höre ich sehr viele verschieden Vögel. Aber ich höre auch die Autos auf der Strasse. An manchen Tagen ist sie mir zu laut. Dann wenn mein Gehör noch empfindlicher ist. Das ist zum Glück nicht immer der Fall.
Ruhe ist für mich aber nicht nur etwas, was von Aussen kommt, sondern auch von Innen. Es gibt Tage, da habe ich ein riesen Chaos in mir. Da sind mir meinen eigenen Gedanken zu laut. Da ertrage ich nichts. An manchen Tage habe ich einen innere Ruhe. Dann gelingt mir auch so manches. Da kann ich mich auch auf andere Menschen konzertieren. Kann auf sie eingehen. Aber eben, nicht immer. Fast nie. Denn ich bin immer darauf bedacht, dass ich Ruhe habe.
Lärm ist etwas, was nicht nur mich stresst, sondern auch viele andere. Lärm ist ein Bestandteil unserer Welt. Alles muss laut sein. Alles muss Krach machen. Ich weiss nicht, wieso die Muggel nicht Dinge entwickeln können, die keinen Lärm machen. Selbst wenn ich am TV den Ton ausschalte, ist das Bild noch laut. Besonders die Werbung. Die ist nicht ruhig. Sie ist laut. Würde ich den Ton einschalten, würde ich ausrasten. Für mich ist das ein Zeichen, wie die Muggel die Welt sehen wollen. Sie muss bunt und schrill sein. Muss laut sein. Obwohl sie Ruhe brauchen. Obwohl sie nicht gerne Hektik haben, so wollen sie sie doch. Ich verstehe das nicht. Verstehe nicht, wie man Ruhe haben will, aber dennoch Lärm macht.
Auf der anderen Seite ist es so, dass für mich zu viel Ruhe nicht gut ist. Ich versinke dann in meiner eigenen Welt. Das ist dann wie eine Art Schlaf. Ein Schlaf im Wachzustand. Ich verstehe dann die Welt nicht mehr. Verstehe nicht, was um mich herum geschieht. Dieser Zustand habe ich fast andauernd. Aufwachen, das tue ich nur sehr selten. Dann ist es aber so, dass ich die Welt um mich herum anders sehe. Schärfer. Ich kann Menschen sehen. Kann verstehen was sie sagen. Aber das ist, wie gesagt sehr selten. Wenn es passiert, ist es auch nur für ein paar Sekunden. Aber immerhin. Ich sehe die Welt dann so, wie ein Muggel. Das ist für mich ein Zeichen, dass ich es könnte, aber das mich etwas daran hindert, die Welt zu sehen, wie sie ist. Ich lebe in einer Welt die nur ich verstehe. Das führt auch immer mal wieder zu Problemen mit anderen Menschen. Sie verstehen mich nicht. Verstehen meine Gedanken nicht. Ich sie nicht. Damit muss ich leben. Damit kann ich leben. Ich weiss, dass ich nichts dagegen unternehmen kann. Also lasse ich es gut sein.
Die Ruhe ist mir wichtig. Die Ruhe ist etwas, das für mich einfach als geräuschlos definiert ist. Das heisst nicht, dass ich dann nichts tue. Arbeiten kann ich dann am besten. Oder wie jetzt, schreiben.
Zu Hause habe ich Ruhe. Die brauche ich auch. So kann ich wieder neue Energie tanken. Kann mich erholen von all der Lärmverschmutzung. Doch es gibt auch Tage, da brauche ich den Lärm die Hektik. Weiss auch nicht wieso. Manchmal stört mich sogar die Ruhe. Verstehen tue ich das nicht. Muss ich das? Nein, ich denke nicht. Ich denke, dass es wichtig ist, dass ich versuche, das Beste aus der Sache zu machen. Auch wenn mir dies nicht immer gelingt. So ist der Wille da. Das, so denke ich, ist das Wichtigste. Das man will. Egal, was passiert. Das das nicht immer einfach ist, oder gar gelingt, ist mir klar. Aber ich will nicht einfach aufgeben. Würde ich das tun, so wäre ich nicht mehr unabhängig. Könnte nicht mehr arbeiten. Könnte nichts mehr tun. Das will ich dann auch nicht.
Ruhe ist auch Rückzug. Rückzug aus der Welt welche mich umgibt. Ich kann mich auch in mich selbst zurück ziehen. Es kann sogar sein, dass ich auf die Signale von Aussen nicht mehr reagiere. Dass ich sie nicht mehr höre. Nicht mitbekomme. Wenn das eintritt, dann ist etwas nicht mehr gut. Ich habe herausgefunden, dass das ein Zeichen ist, dass ich überfordert bin. Dass ich nicht mehr klar komme. Dann schaltet sich die Verbindung zur Aussenwelt ab. Das passiert selten. Sehr selten. Dies einfach darum, weil ich in einer Umgebung lebe und arbeite die für mich gemacht ist. So kann ich das verhindern. Früher hatte ich das viele mehr. Ich wusste dann aber nicht wieso. Wusste nicht das das mit dem Autismus zusammenhängt. Wusste nicht, das ich nichts dagegen unternehmen kann. Heute weiss ich es. Und habe auch Massnahmen ergriffen, damit ich das verhindern kann.
Ich wohne auf dem Land. Ich arbeite auf dem Land. Ich habe einen kurzen Arbeitsweg. Habe so keinen Reisestress mehr. Nicht viele Menschen um mich. Das alles trägt dazu bei, dass ich mich nicht mehr in mich zurück ziehen muss.