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Mittwoch, 12. Februar 2014

Asperger und die geteilte Welt

Die Welt ist nicht dualistisch. Diesen Satz habe ich in meinem Leben viele Male gehört. Nun, der Satz meint, dass es nicht immer nur zwei Seiten gibt. Doch meine Erfahrung ist, dass es doch nur zwei Seiten gibt. Es gibt das Gute und das Böse. Es gibt Ja und Nein. Es gibt die Autisten und die Muggel. Für mich ist die Welt dualistisch. Ich nehme sie jedenfalls so wahr.
Die Muggel wollen mir beibringen, dass dem nicht so ist. Nun, dass ist deren Verständnis von der Welt. Sie sehen und nehmen sie so wahr. Ich halt anders. Wieso soll meine Wahrnehmung falsch sein? Wieso muss sie korrigiert werden? Nun, ich denke, dass die Muggel damit nichts anfangen können. Es ist eine Denkweise und Wahrnehmung, die sie nicht kennen. Sie können damit nichts anfangen. Also muss die Person, die anders denkt geändert werden. Darin sind die Muggel sehr gut. Alle die andres sind, müssen geändert werden. Nun, wo bleibt da noch der Platz für uns Autisten? Sind wir einfach in einem System gefangen, welches mit uns Geld verdient? Sind wir in einem System gefangen, welches uns ausnutzt? Ich denke schon. Die Muggel sind mehr als wir. Sie bestimmen, was normal ist und was nicht. Sie bestimmen, wer über wer bestimmen kann. Die Autisten haben da nichts zu sagen. Wir müssen nur akzeptieren was die Muggel wollen und sagen.
Damit kann ich aber nicht leben. Wieso sollten DIE wissen, was richtig und was falsch ist? Woher nehmen sie sich das Recht über andere zu bestimmen, was sie dürfen und was nicht? Ich weiss es nicht. Ich weiss einfach nur, dass ich die Muggel und ihr Verhalten genau so wenig verstehe wie sie mich. Mir ist das egal. Wieso soll ich mich ihnen anpassen? Wieso so werden wollen wie sie? Das wäre ja nur ein Theater. Mehr auch nicht.
Die Welt ist für mich geteilt. Diese Zweiteilung kann muss mit einer Brücke überwunden werden. Das sind in unserem Fall Menschen, die sich mit dem Autismus auskennen. Die unsere Sprache verstehen. Nicht nur unsere Sprache sondern auch unsere Art. Nur so können wir in der Welt bestehen. Meiner Erfahrung nach, können wir das alleine nicht. Wie auch? Die Muggel finden uns komisch und verstehen unser Verhalten nicht. Es ist wie mit einer Fremdsprache. Man lernt sie oder hat einen Übersetzer. Aber ohne eines von beidem geht es nicht. Das ganze würde im Chaos enden. Ich denke, dass es das auch mit uns tut. Viele die ich kennen, sind bei der Invalidenversicherung. Über sie wird bestimmt. Sie haben kein eigenes Leben. Andere bestimmen. Andere verdienen an ihnen. Das mag für einige passen. Doch ich denke, dass nicht einfach alles Autisten zur IV gehen müssen. Das nicht alles Autisten einfach immer nur machen müssen, was andere sagen, wollen.
Die Muggel gehen davon aus, dass sie uns ihr System beibringen können. Sie gehen davon aus, dass sie immer recht haben. Nun, ich bin davon nicht überzeugt. Es geht auch nicht darum, wer recht hat und wer nicht. Es geht darum, wie wir gemeinsam etwas erreichen können. Muggel und Autisten. Es geht nicht darum, das die einen besser sind als die anderen. Mir geht es darum, dass wir von einander lernen können und auch sollen. Mir geht es auch darum, dass wir, obwohl wir anders sind, doch auch eines sind. Menschen. Genau wie alle anderen auch.