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Samstag, 31. Mai 2014

Asperger und das Gefangensein

Der Geist ist im eigenen Körper gefangen. Oder ist der Körper an den Geist gebunden? Wie auch immer. Der Geist kann nur das tun, was der Körper vermag. Der Körper ist die Verbindung zum Aussen. Er ist das, was die anderen Menschen sehen. Er ist das, was uns die Möglichkeit gibt, die Welt wahrzunehmen. Wir können mit dem Körper tasten, sehen, riechen, gehen. Was auch immer. Der Geist ist die kontrollierende Instanz. Nun, das trifft sicher nicht auf alle zu. Denn einige haben ja körperliche Einschränkungen. Aber auch sie haben einen Körper. 
Für mich ist es manchmal lästig, in einem Körper zu sein, der nicht das macht, was ich will. Denn ich nicht bewegen kann. Der einfach ist, aber auf meine Impulse nicht reagiert. Fast so als seinen Leitungen unterbrochen. Dieser Zustand ist mühsam. Ein Mittel dagegen habe ich nicht gefunden. Ich kann in so einem Zustanden den Körper nicht gebrauchen. Ja, ich merke ihn nicht einmal. Sonst, merke ich ihn. Das ist auch der Grund, wieso ich Sport treibe. Dass ich meinen Körper merken kann. Würde ich das nicht tun, hätte ich keinen Bezug zu ihm. Da ich aber mit ihm leben muss, so muss ich schauen, dass er für mich vorhanden ist. Das ich ihn gebrauchen kann. 
Gefangen bin ich aber nicht nur in meinem Körper, sondern auch meinem Verstand. Ich habe viele Ideen, kann sie aber nicht umsetzten. Zum einen, weil ich das Wissen nicht habe, zum andern, weil ich die Zeit nicht habe. Aber das grösste Problem liegt bei der Aussenwelt. Ich kann nicht einfach raus. Bin gefangen in meiner eigenen Welt. Von mir aus, würde ich die Wohnung nur dann verlassen, wenn ich muss. Ich muss nicht raus. Wieso auch? Ich meine, die Welt ist laut und hektisch. Was will ich dort? 
Aber ich muss raus. Muss oder besser geschrieben darf arbeiten. Habe meine Frau. Habe meine Familie. Muss einkaufen. Dafür gehe ich gerne raus. Da sehe ich einen Sinn drin. Aber sonst, würde ich nicht raus gehen. Ich wäre gefangen in einer Welt die nur in meinem Kopf stattfindet. Die so aufgebaut ist, das ich in ihr zurecht komme. Die Welt da draussen, sie ist verdreht und komisch. Die Menschen reagieren für mich komisch. Sie reagieren unlogisch. Sie verhalten sich unlogisch. Aber, das musste ich lernen, es sind nicht sie die komisch sind, sondern ich. Doch kann ich nur von mir aus gehen. Also sind sie die Komischen. 
Gefangensein bedeutet für mich auch, dass ich dann nicht so sprechen kann wie ich will. Dass ich fast nicht sprechen kann. Wie auch? Ich kann ja meinen Körper fast nicht bewegen. Dazu gehört der Mund und die Stimmbänder ja auch. Das wirkt dann auf die anderen sicher befremdlich. Eben autistisch. Ich weiss, das wenn ich alles zur Verfügung habe, ich nicht auffalle. Aber wenn nicht, dann eben schon. Dieser Zustand hält nicht einpaar Minuten an, sondern kann einige Tage anhalten. Ich merke auch, wenn ich in mir selber gefangen werde. Ich merke auch, wenn ich wieder frei bin. 
Bin ich in mir selber gefangen, dann sind meine Sinne anders. Ich höre dann viel besser als sonst. Alles ist extrem laut. Alles extrem hell. Es ist fast so, als ob ich nur noch die beiden Sinne hätte. Dafür voll. Das ist gut zum Musik hören. Aber, ich kann dann leider nicht Musik hören, weil ich die Anlage nicht bedienen kann. Geht der Zustand wieder vorbei, dann ist alles auf einmal wieder so wie es sein sollte. Der Zustand verändert sich innert einer Sekunde. Es ist dann so, als ob ich aufwachen würde. Nur mit dem Unterschied, das die Zustandsänderung schneller ist. Ich muss mich auch nicht darauf einstellen. Es passiert einfach. Ich kann dann auch wieder klar denken. Was ich im Zustand des gefangenseins nicht kann. Dann baut sich eine Welt auf, die nicht real ist. Die mit allem was ich kenne nichts zutun hat. Sie zu beschreiben geht nicht, da sie mit dem, was wir kennen, nichts zutun hat. 
Aber zum Glück sind diese Zustände selten. Es ist nicht so, dass ich das regelmässig habe. Doch wenn ich es habe, muss man mich einfach lassen. Es gibt nichts, was getan werden könnte. Einfach lassen. Das ist für das Umfeld nicht einfach. Doch es gibt keinen anderen Weg, da ich dann nur noch als Körper anwesend bin, aber nicht mehr mit dem Geist. Ich verstehe die dann auch fast nichts mehr. Die Sprache ist mir fremd. Ich kann nur noch minimal reagieren. Dies auch nur unter grösster Anstrengung. Doch es gehört zu mir. Ich muss damit leben und kann damit leben. Wieso sollte ich es bekämpfen? Es ist ja ein Teil von mir. Ich denke, das ist etwas vom Wichtigsten, dass man sich so akzeptiert, wie man ist.