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Donnerstag, 22. Mai 2014

Asperger und verkehrte Sichtweise

In der Welt der Muggel gibt es nicht nur JA und NEIN. Sie kennen auch das Dazwischen. Sie kennen das, was ich die 3. Lösung nenne. Sie können nicht absolut denken, sondern relativ. Das heisst, dass sie nicht eine Sichtweise haben können, sondern mehrere. Sie können sich anpassen, indem was sie sagen. Je nachdem, mit wem sie sprechen, oder welche Meinung gerade angesagt ist. Für sie ist das kein Problem. Ich denke, sie denken nicht einmal darüber nach.
Die Sichtweise auf die Welt ist so eine Sache für sich. Ich habe meine eigene. Diese ist verkehrt zu der, welche die Muggel haben. Sie ist eine Sichtweise, welche absolut ist. Nicht relativ. Viele Muggel haben damit so ihre Probleme. Wieso? Weil sie diese Art von Denken nicht kennen. Sie kennen nur das Dazwischen, aber nicht die Extremwerte.
Auch, und das ist für mich immer wieder schwierig, ist, das Muggel nie etwas zu Ende denken. Sie denken immer nur im Moment. Für den Moment. Sie denken nicht, wie es weiter gehen könnte. Was für Folgen das Handeln haben könnte. Ein Beispiel. Viele Muggel machen heute auf Öko. Sie wollen E-Bikes. Es ist ein tolle Sache so denken sie. Umweltschutz und bequem Radfahren. Aber sie denken nicht, dass die Batterien hergestellt werden müssen, noch bedenken sie, woher der Strom kommt um die Batterien aufzuladen. Sie wollen keine AKW's aber Strom für ihre E-Bikes oder E-Autos. Nur weil sie keinen CO2 verursachen, heisst das nicht, das bei deren Produktion kein CO" verursacht wurde. Ganz zu schweigen vom Strom.
Ich haben mit vielen Muggel darüber gesprochen. Sie verstehen mich nicht. Sie kapieren nicht, dass sie immer alles bedenken müssen. Nun, das hat auch seine Nachteile. Denn ich muss immer zuerst alles durchdenken. Muss analysieren. Das kann auch hinderlich sein. Die Muggel handeln intuitiv. Sie denken weniger als das sie einfach machen. Sie machen sich auch weniger Gedanken. Das kann auch seine Vorteile haben. Nur, für mich, ist dieser nicht ersichtlich.
Womit ich wieder beim alten Problem von, was ist richtig und was ist falsch, bin. Ich meine, keiner von uns kann behaupten, dass er alles weiss. Dass er alles kennt. Wie also sollen wir wissen, was richtig und was falsch ist? Nun, die Muggel gehen einfach von sich aus. Sie gehen davon aus, dass sie recht haben. Sie lernen auch nicht. Sie bestehen auf das, was sie kennen. Alles was sie nicht kennen, macht ihnen zuerst Angst. Sie bekämpfen es. Statt, es zu analysieren und nachzudenken. Sie sind im Normalfall zuerst gegen was Neues. Erst wenn sie einen Vorteil für sich erkennen, finden sie es gut. Erst wenn sie begriffen haben, dass es ihnen nichts macht, dann finden sie es gut. Ich weiss nicht, wieso Muggel nicht in der Grösse einer Gesellschaft denken können. Ich meine, der Nachteil für eine Person, kann der Vorteil für viele sein. Das ist altruistisch, ich weiss. Aber ich denke so. Klar muss auch ich schauen, dass ich nicht nur gebe, sondern auch mal bekomme. Aber wer gibt, dem wird auch gegeben. Das ist das woran ich glaube.
Muggel wollen immer nur. Sie wollen immer alles neu machen. Wollen bestehendes niederreissen. Nur, weil sie nicht verstehen wie was funktioniert. Nur weil ihnen niemand erklärt wie was geht. Zerstören ist immer einfach. Doch erschaffen, das ist schwer. Ich erschaffe lieber. Ich mag das. Einfach alles verdammen, das ist nicht mein Ding.
Muggel denken, dass wir eine verkehrte Sichtweise haben. Das wir komisch denken. Nein, wir denken nicht komisch, nur anders. Wir sehen Dinge und denken Gedanken, die sie nicht kennen. Für ich ist weder das Eine noch das Andere besser. Entscheidend ist, das wir Autisten mit den Muggel zusammen arbeiten. Dass wir von einander profitieren können. Dass wir nicht einfach für uns sind. Nur wenn wir die Gedanken und Ideen beider Welten vereinen können, kommen wir weiter. Besonders für Autisten ist aber genau das nicht einfach. Wie der Welt die Gedanken mitteilen? Wie kommunizieren? Bei den Muggel ist es genau so. Sie fürchten uns. Sie verstehen uns nicht. Deshalb ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die beide Sprachen sprechen. Unsere und die der Muggel. Für so eine Übersetzerrolle kommen meiner Erfahrung nach nur Muggel in Frage. Denn Muggel hören nur auf Muggel. Sie verstehen nur die eigene Sprache. Sie verstehen nur ihre eigenen Sichtweise.