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Donnerstag, 29. Mai 2014

Asperger und das Verkehrte

Die Gesellschaft hat ihre Vorstellung wie sie zu funktionieren hat. Wie die Menschen denken, handeln und leben sollen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Gesellschaft angeschaut wird. Dabei spielt es auch keine Rolle welches System betrachtet wird. Wir alle müssen die Regeln befolgen, welche wir gelernt haben. Halten wir sie nicht ein, so werden wir bekämpft. Dies kann mit Gewalt sein, aber meistens ist dies nicht der Fall. Wir werden bekämpft indem wir nicht beachtet werden. In dem wir entlassen verlassen werden. 
Ich kenne das nur zu gut. Die Menschen mit denen ich zu tun hatte, sagten immer, das ich ok sei, aber am falschen Ort. Am verkehrten Ort. Nun, ich habe das nie verstanden. Wie auch? Ich wusste ja nicht, was ich bin. Heute verstehe ich das. Heute verstehe ich, dass ich nicht dazu gehöre, auch wenn ich es immer versucht hatte. Wenn ich immer wollte, dass ich so bin wie sie. Ich weiss, dass ich das nie sein kann und auch nicht will. 
Asperger sind verkehrt zur Welt. Sie können lachen, wenn geweint werden soll. Sie können sich aufregen, wenn es keinen Grund gibt. Das Umfeld versteht das meistens nicht. Sie verstehen nicht, wieso wir das tun. Nun, wir verstehen es auch nicht. Es ist einfach so. Nur, dass das, was ich gegen Aussen zeige, nicht immer das ist, was ich empfinde. Das es nicht immer das ist, was ich ausdrücken möchte. Es ist halt verkehrt. Die Menschen mit denen ich zusammen bin, die verstehen das. Sie wissen darum und deshalb kann ich so sein, wie ich bin. Muss mich nicht mehr verstellen. 
Ich weiss nicht einmal mehr, wie das geht. Dafür lebe ich schon zu lange so, wie ich bin. Ich will mich auch nicht mehr daran erinnern. Wieso auch? Dafür gibt es keinen Grund mehr. Ich lebe ein verkehrtes Leben. Aber nur aus Sicht der Muggel, nicht aus meiner. Ich meine, es kommt ja immer auf den Standpunkt an. Für mich, sind die Asperger die Normalen und die Normal die Komischen. 
Bewege ich mich durch die Welt, so weiss ich nie, was mich erwartet. Weiss nie, ob was unlogisches passiert. Klar, das wissen die Muggel auch nicht. Doch für mich ist es anders. Denn ich bin von lauter Muggel umgeben, wenn ich einkaufen gehe. Wenn ich durch die Welt gehe. Das ist was anderes. Wären das alles Asperger, wäre die Welt sicher nicht so chaotisch und laut, wie sie ist. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Welt nicht so wäre wie sie ist, wenn sie von Aspergern gebaut worden wäre. Muggel wollen immer was Neues. Sie wollen immer was anderes. Das führt zu den Veränderungen, welche wir sehen. Welche wir alle merken. Das hat auch seine Vorteile. Aber in einer Welt zu leben, die sich ständig ändert, ist nicht gerade einfach. Ich mag Veränderungen nicht. Aber sie sind leider Bestandteil dieser Welt. 
Verkehrt ist auch, dass ich manchmal nicht weiss, wie ich reagieren soll. Ich scheibe bewusst WEISS. Denn das hat mit Intuition nichts zu tun. Die Muggel können vieles intuitiv. Denken ist das zu langsam. Und meistens komme ich zu einem falschen Ergebnis. Die Muggel verstehen dann nicht. Sie verstehen mich deshalb nicht, weil meine Reaktion nicht dem entspricht, was sie erwarten. Sie ist verkehrt. 
Muggel können sich nicht vorstellen das wir nicht so sind wie sie. Sie haben Angst vor uns. Sie haben Angst, das wir nicht so reagieren, wie sie erwarten. Sie wissen nicht, wie mit uns umgehen. Nun, ich weiss auch nicht wie mit Muggel umgehen. Das was ich weiss und kann, habe ich auswendig gelernt. Habe mir das alles merken müssen. Das ist auch nicht einfach. Aber es hilft mir, dass ich nicht all zusehr auffalle. Dass ich ein Leben leben kann, dass ich bestimme und nicht die anderen. Viele von uns sind ja von Ämtern abhängig. Können nicht selber bestimmen. Das ist das, was ich nicht wollte. Denn für mich ist das ein Zeichen der Muggel, das sie uns nicht wollen. Sie schieben uns einfach ab. Lassen uns nicht an ihrem Leben teilhaben. Wollen nicht, das wir mit ihnen arbeiten, leben. Dabei könne wir das auch. Nur eben anders. Wir haben unsere eigene Art, wie wir sind. Aber verkehrt ist sie nicht. Nur eben anders. Das müssen die Muggel noch lernen. Sie müssen erkennen, das auch wir Menschen sind. Das wir dies zuerst sind, und dann Autisten. Sie sehen aber in uns nur die Autisten. Die Komischen. Das ist für mich verkehrt.