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Freitag, 12. Dezember 2014

Asperger und die Ausgrenzung

Wie lebt es sich als Autist? Diese Frage höre ich ab und zu. Nun, ich frage dann, wie lebt es sich als NT? Keine Antwort. Also muss ich auch keine geben. Was macht uns so anders? So speziell? Diese Fragen können nicht einfach beantwortet werden. Denn kein Mensch ist wie der andere. Dennoch kann ich schrieben, dass es sich als Autist einfach lebt. Ich meine damit, ich lebe liebe und arbeite. Also wo liegt der Unterschied zu den NT's?
Nun, ich sehe mich nicht als Teil der Welt, obwohl ich ein Teil von ihr bin. Ich sehe die Grenze zwischen ihnen und mir. Sehe, dass ich nie in ihre Welt zurückkehren kann. Ich lebte ja fast mein ganzes Leben in ihr. Jedoch lebte ich doch nicht in ihr. Ich wusste es nur nicht. Ich war in ihr, und dennoch ausgegrenzt. War Teil von ihr und doch nicht. Paradox. Ich weiss. Aber ich denke, dass seit ich um das Asperger weiss, ich freier bin. Ich mehr über mich weiss. Ich auch weiss, was ich kann und was nicht. Zudem lebe ich heute bewusst. Nicht wie früher, als ich immer dachte, wann ist der Tag die Woche das Jahr vorbei? Das ist heute nicht mehr der Fall.
Dies dank dem ich mich selbst ausgegrenzt habe. Indem ich zu vielem, für mich, NEIN gesagt habe. Nun, ich kann zu mir nein sagen, aber ich kann es sonst nicht. Meine Schwäche. Ist das eine Schwäche, nicht nein sagen zu können? Ja, für mich schon. Denn was passiert mit Menschen die nicht nein sagen können? Sie werden ausgenutzt. Weggeworfen. Nicht mehr gebraucht, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Nun, so schlimm ist es nicht mehr. Aber es war mal so. Viele Male habe ich das erlebt.
Ich wurde immer übergangen. Musste mich jahrelang durch alles Mögliche kämpfen. Das Leben selbst war ein Kampf, nur wusste ich das nicht. Ich wusste nicht, das ich ihn verlieren würde. Was ich auch tat. Ich verlor. Aber ich gewann mehr, als ich verlor. Ich gewann ein Leben. Ein neues Leben. Abgegrenzt vom Alten. Aber auch von den NT's. Ich begab mich in eine Welt, die mir fremd war. Die der Autisten. Ich musste lernen, in ihr zurecht zu kommen. Heute ist es für mich ganz normal, dass ich mich in dieser Welt der Autisten bewege. Mit ihnen arbeite, spreche. Alles normal. Jedoch sind die NT's diejenigen welche für mich anstrengend sind. Sie fordern und fordern. Sie wollen und wollen. Jedoch ohne zu geben. Das ist es doch. Für ich ist das eine der Grenzen. Fordern. Ich kann das nicht. Auch wenn es immer wieder heisst, ich soll. So kann ich es nicht. Ist so wie mit dem NEIN sagen. Das ist für mich das Selbe.
Das wiederum ist auch wieder eine Form der Ausgrenzung. Denn da ich nicht fordern kann, bekommen immer diejenigen, welche fordern. Ich nichts. Muss warten. Naja, warten, das kann ich. Das bestimmte mein Leben. Ich kann jahrelang auf was warten. Wenn es sein muss Jahrzehnte. Kein Problem. Aber einmal sollte auch das ein Ende haben. Ich meine, das Leben ist ja nicht zum warten da, sondern zum leben.
Nun, heute warte ich nicht mehr. Ich tue was ich will. Lebe mein Leben so, wie ich will. Klar, immer unter Berücksichtigung meiner Ehe und meiner Arbeit. Aber dennoch, es kommt auf die Geisteshaltung an. Damit meine ich, bin ich im Kopf frei oder nicht. Heute würde ich schreiben, dass ich frei bin. Nicht mehr gefangen in so vielem, dass mich ausgrenzt. Nicht vor den anderen, sondern vor mir selbst. Denn ich habe mich jahrelang vor mir selbst ausgegrenzt gehabt. Dem ist heute nicht mehr so. Insofern kam die Diagnose genau richtig. Denn ich konnte mich selbst befreien. Auch wenn ich weiss, dass ich nie wie die NT's werden werde, so bin ich mit dem was ich habe zufrieden. Wieso immer mehr wollen?