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Samstag, 20. Dezember 2014

Asperger und die Überlastung

Ich dachte immer, dass mich nichts überlasten kann. Das ich mit allem fertig werde. Dem ist aber nicht so. Ich musste erkennen, dass auch ich Grenzen habe. Nur, ich nehme sie nicht wahr. Wie auch? Mein Empfinden ist nicht vorhanden. Ich kann mich nicht auf meinen Körper verlassen.
Jedoch weiss ich heute, wie ich reagiere, wenn ich überlastet bin. Wenn mich etwas überfordert. Dann schaltet mein Gehirn um. Es geht dann nur noch darum, das Problem zu lösen. Wobei, es nicht ein Problem sein muss. Es kann auch einfach ein falsches Wort sein. Jemand der Licht macht, oder an mir ankommt. Ich kann dann extrem kalt reagieren. Alles wird dann zur reinen Logik. Keine Empfindungen. Nichts. Nur noch Logik. Das ist nicht gut. Denn das Gegenüber kann damit nicht umgehen. Dies einfach deshalb, weil alles menschliche fehlt.
Nun, ich habe mich lange mit diesem Phänomen befasst. Wusste aus Schilderungen meiner Frau, dass ich das mache. Aber ich bin lange nicht dahinter gekommen, was es ist. Es ist eine dissoziative Identitätsstörung. Endlich habe ich den Namen dafür. Ich dachte immer, dass ich spinne. Aber nein, es ist scheinbar ein etwas, das es geben kann. Jedoch ist es so, dass dieser Zustand unangenehm ist. Er ist so eine Art geistige Ohnmacht. Ich kann das Problem lösen. Aber ich erinnere mich jeweils nicht mehr, was ich gesagt habe. Der Grund ist, das mein Gehirn nur noch das Problem lösen will, aber alles andere nicht mehr mitbekommt. Ich dachte immer ich habe zwei Persönlichkeiten. Aber dem ist nicht so. Beides bin ich.
Diese Erkenntnis hilft mir weiter. Denn ich weiss jetzt, was passiert, wenn ich überlastet bin. Diesen Zustand muss ich vermeiden. Nur, ich kann nicht alles vermeiden, was dazu führt. Wie auch? Aber ich versuche es so gut ich eben kann. Denn ich will DAS meiner Umgebung nicht zumuten. Verhindern kann ich es nicht. Aber ich kann versuchen ES unter Kontrolle zu halten.
Je ausgeruhter ich bin, des länger dauert es, bis ich in diesen Zustand komme. Aber es dauert dann auch lange, bis ich diesen Zustand wieder verlassen kann. Nur meine Frau weiss, wie sie mich abrupt aus diesem Zustand holen kann. Alle anderen haben Pech gehabt. Denn ich kann ihnen die Massnahme nicht sagen. Das würde nur dazu führen, dass der Zustand noch verstärkt würde.
Ich selbst kann mich aus dem Zustand nicht befreien. Kenne den Ausstiegspunkt nicht. Muss warten, bis er vorbei ist.
Nur, ich habe schon versucht mich künstlich in diesen Zustand zu versetzen. Mal ist es mir sogar gelungen. Ich konnte dann eine Aufgabe innert Minuten lösen, statt innert Tagen. Nur, danach konnte ich nichts mehr tun. Das ist auch nicht sinnvoll so zu arbeiten. Zumal die Rückkehr in den Normalzustand schmerzhaft ist. Also vermeide ich es, mich in diesen Zustand zu versetzen.
Überlastung kann auch dazu führen, dass ich nichts mehr tun kann. Dass ich alles verweigere. Denn ich weiss nicht mehr, was wichtig ist und was nicht. Wo beginnen? Was tun? Alles ist gleich wichtig. Wie soll ich mich da zurecht finden? Also lasse ich es bleiben.
Das Oben geschilderte Verhalten braucht vom Umfeld sehr viel Verständnis. Denn ohne dieses könnte ich nicht leben, wie ich lebe. Alles würde ein Kampf sein. Ich denke manchmal, wie sie das aushalten. Wie sie damit umgehen. Besonders meine Frau. Aber vielleicht ist es die Liebe, welche genau das ermöglicht, denn anderen so zu akzeptieren wie er ist.