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Samstag, 17. August 2013

Asperger und das Nichtsprechen

Kommunikation ist unter anderem sprechen. Sprechen mit sich oder mit anderen Menschen. Menschen sprechen viel. Sie wollen und müssen sprechen. Sie wollen sich mitteilen. Sie wollen ihre Meinung sagen. Sie wollen diese anderen mitteilen.
Ich spreche im Normalfall nicht. Nur wenn ich muss oder soll. Wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin, muss ich zwangsweise Sprechen. Für mich ist das Sprechen aber anstrengend. Spreche ich zu viel, so wird mit schwindlig und ich kann mich irgendwann nicht mehr konzentrieren. Meine Sprache verändert sich dann. Sie wird abgehackt und komisch. Sie wird sehr direkt und hart.
Nicht sprechen ist für mich viel angenehmer. Dadurch bin ich nicht gestresst. Ich habe nicht immer das Bedürfnis, mich anderen mitteilen zu müssen. Spreche ich nicht, so habe ich nicht das Gefühl, dass ich was verpasse. Das ich zu kurz komme.
Der einzige Mensch, bei dem es mir nichts ausmacht zu sprechen, ist meine Frau. Mit ihr kann ich mich stundenlang unterhalten, ohne dass ich müde werde. Auf Arbeit ist das anders. Da muss ich mich ab und zu zurückziehen, weil ich einfach zu viel gesprochen habe, und meine Konzentration nicht mehr vorhanden ist. Das ist aber in Ordnung. Die Leute da wissen das. Sie machen dann keinen Stress. In einer normalen Arbeitsumgebung, geht das nicht. Das wird ja ständig gesprochen. Sei es in der Pause, in Sitzungen oder sonst. Wer nicht spricht, der wird als komisch betrachtet. Und irgendwann wird man entlassen. Muggel mögen keine komischen Menschen. Dazu zähle ich mich aber. Wobei es immer auf den Standpunkt ankommt. Für mich sind die Muggel komisch und die Asperger normal.
In letzter Zeit habe ich, berufsbedingt, mit Menschen zu tun, welche keine Ahnung von Asperger haben. Das ist für mich nicht so einfach. Denn ich bin es gewohnt, dass die Menschen, mit welchen ich arbeite, wissen, wie mit mir umzugehen ist. Das ist für mich wieder eine neue Erfahrung. Obwohl ich in einem Muggel-Umfeld aufgewachsen bin, und von Asperger keine Ahnung hatte. Doch in den letzten Jahren bin ich eben gewohnt gewesen und immer noch, dass die Menschen um mich herum, mich verstehen und wissen, wie ich ticke.
Nichtsprechen ist für mich auch eine Form der Kommunikation. So zeige ich auch, dass mir das Gespräch zu anstrengend ist. Das heisst aber nicht, das mich das Gespräch nervt oder langweilt, sondern einfach, dass ich nicht mehr kann. Für mich war diese Erkenntnis wichtig. Denn sie zeigt mir meine Grenzen auf. Sie zeigt mir, dass ich nicht immer muss, sondern auch mal "NEIN" sagen kann, respektive eben "nichts".
Für mich war das wichtig. Denn so habe ich viel weniger Stress. So macht es mir auch nichts aus länger und mehr zu arbeiten. Kann ich was für mich arbeiten, ohne, das ich kommunizieren muss, spielt die Zeit für mich keine Rolle. Ich arbeite dann eifach. Spreche ist auch immer ein Unterbruch der Gedanken oder der Tätigkeit. Manchmal macht mir das nichts aus, aber meistens schon. Ich bin dann aus dem Konzept und brauche dann wieder eine Weile, bis ich weitermachen kann.