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Donnerstag, 1. August 2013

Asperger und die Ablenkung

In den Medien lese ich immer wieder, dass ein Vorteil von Asperger die extreme Konzentration sein. Nun, nicht nur Asperger können eine hohe Konzentration haben, sondern auch Muggel. Es kommt mehr auf den Menschen, als auf die Diagnose an. Ich kenne keinen Asperger, welcher das was in den Medien beschrieben wird, auch so kann. Sicher, wir können uns extrem konzentrieren, wenn es sein muss, aber der Preis ist dann eine lange Pause. 8 Stunden am Stück voll konzentriert sein, dass kann sicher fast niemand.
Was aber häufig passiert, ist die Ablenkung. Ich brauche nur etwas zu sagen oder anzuschauen, schon habe ich mindesten jemanden neben mir, der wissen will, was ich mache. Obwohl diese Person arbeiten sollte. Doch sie ist abgelenkt. Mir selber, passiert das auch. Ich lasse mich auch schnell ablenken. Sei es durch ein Wort oder etwas, was jemand macht. Ich muss dann wissen, was diese Person macht. Es lässt mir keine Ruhe bis ich es weiss. Muggel sind da anders. Sie können das, was sie nichts angeht, sein lassen. Sie können die anderen einfach ausblenden. Sicher, auch nicht alles Muggel können das.
Ablenkung ist für mich nicht negativ. Im Gegenteil. Sie hat was Positives. Denn so arbeitet man nicht nur, und vergisst die Zeit. So lernt man auch was. Für mich ist es extrem wichtig, dass ich immer was Neues lerne. Ich will jeden Tag mindestens eine Neue Sache lernen. Dabei unterscheide ich zwischen Erkenntnis und Gelerntem. Erkenntnis ist für mich etwas, wovon ich eine Ahnung habe, aber es nicht begriffen habe, danach aber schon. Gelerntes ist für mich, ich weiss jetzt etwas, was ich vorher noch nicht wusste.
In einer Firma wie Specialisterne geht das, dass man sich ablenken lässt. Klar auch da immer im Rahmen. Denn stundenlanges sich ablenken lassen, geht auch da nicht. In einer "normalen" Firma geht es überhaupt nicht. Da kriegt man schnell mal einen Rüffel, wieso man nicht arbeitet oder zu viel spricht. Bei uns geht es mehr um Toleranz, als darum, dass immer sofort alles erledigt werden muss. Wichtiger als die Arbeit, ist der Mensch. Dieser steht im Mittelpunkt. Asperger brauchen eine geeignete Umgebung. Sie brauchen ein Umfeld, welches auf ihre Eigenheiten Rücksicht nimmt. Aber auch diese hat Grenzen. So kann man nur Kundenwünsche erfüllen, wenn die Termine und auch die Qualität eingehalten werden. Ohne diese beiden Faktoren geht es auch bei uns nicht.
Ablenkung ist für mich auch zugleich eine Art Pause oder Erholung. Es geht um was anders, als an dem, an welchem ich gerade arbeite. So bin ich am Abend nicht völlig kaputt, sondern haben noch Energie, mich mit meiner Frau zu treffen, oder einfach nur den Haushalt zu machen. Würde ich voll konzentriert den ganzen Tag arbeiten, so könnte ich am Abend nichts mehr tun. Irgendwann könnte ich nicht einmal mehr arbeiten gehen. Was mir ja schon mal passiert ist. Deshalb schaue ich heute darauf, dass ich mich nicht verausgabe.
Ich will auch immer wissen, was um mich herum geht. Dies zum einen, da ich die Umgebung nicht wahrnehme. Also muss ich ständig schauen was geht. Ich höre auch immer alles. Einen Teil meiner Konzentration brauche ich, um zu registrieren, was um mich herum geschieht. Würde ich das nicht machen, so bekäme ich nichts mit über. Ich wäre einfach nur für mich. Da Ummichherum, würde nicht existieren. Es ist anstrengend, ständig zu hören und zu sehen, was um mich herum passiert. Jedoch nur mit diesem Aufwand, kann ich ein Teil des Ganzen sein. Würde ich es nicht machen, wäre ich nur für mich. Die anderen wären mir dann egal. Das will ich nicht.