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Mittwoch, 21. August 2013

Asperger und die falsche Hoffnung

Menschen die nicht der Norm entsprechen, suchen nach Möglichkeiten, dass sie gleichwohl eine Chance haben. Sie wollen auch etwas tun, und nicht einfach nur sein. Sie wollen arbeiten, eine Beziehung haben. Einfach das, was die anderen auch haben.
Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen zu uns in die Firma kommen, und meine, dass alle gut wird. Sie haben die Hoffnung, dass wir für sie sie perfekte Lösung parat haben. Sie meinen, dass wir sie retten. Das ist nur bedingt der Fall. Wir können ihnen helfen, den Weg den sie gehen wollen zu ebnen. Wir können ihnen helfen herauszufinden, was sie wollen und können. Aber wir können nicht Hoffnung und Rettung anbieten. Wieso nicht? Weil dazu nicht nur wir nötig sind, sondern auch die Person, welcher zu uns kommt. Sie muss eine Eigenschaft haben, welche nicht viele haben. Sie muss wollen. Ohne Willen, geht nichts. Da kann ich auch nichts machen. Ich kann ihnen nur verschiedene Möglichkeiten anbieten. Instrumente gegeben, wie sie ihr leben meistern können. Aber probieren und tun, dass müssen sie selber. Dass kann ich nicht für sie tun.
Auch Eltern versuchen mir immer wieder klar zu machen, dass ihr Kind halt Autist ist. Nun, ich entgegne immer das Selbe: Ich auch. Dann wird es meist recht still im Raum. Sie erkennen, dass man trotz Autismus was erreichen kann. Das man trotz Autismus was aus seinem Leben machen kann. Nun, ich habe das aber, was ich mache gewollt. Hatte niemanden, der mir sagte was ich tun muss und was nicht. Ich habe meine Entscheidungen immer selber getroffen und treffe sie heute noch. Ich denke, dass ist es, was vielen fehlt. Sie verlassen sich zu fest auf die Eltern oder Therapeuten oder die IV oder sonst wen. Aber dabei sind sie es, welche den Schlüssel zu Erfolg haben. Nur sie können es. Nur sie sollen den Willen aufbringen, was zu erreichen. Das das nicht immer einfach ist, weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich habe jahrelang nicht gewusst, was ich will oder wer ich bin. Ganz zu schweigen, von, was ich kann und was nicht. Das habe ich erst nach der Diagnose herausgefunden. Nicht alles allein, aber doch vieles. Auch heute noch, erfahre ich Dinge über mich, welche ich nicht gewusst habe. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Damit zu leben. Es zu akzeptieren. Das ist das Schwierigste.
Hoffnung ist bei uns immer auch mit dem Willen verbunden. Können alleine reicht nicht. Doch meistens ist es so, dass nach 6-12 Monaten doch ein gutes Ergebnis rausschaut. Dass die Person doch was kann, was sie zu Beginn selber nicht gedacht hätte. Die Hoffnung am Anfang war falsch. Denn sie basiert meist auf Idee oder Wünschen der Eltern. Doch mit der Zeit zeigt sich, dass die Person ganz andere Interessen hat. Das sie Fähigkeiten hat, welche niemand entdeckt hat. Das ist unser Job das herauszufinden. Das Wichtigste Instrument, welches wir brauchen, ist die Zeit. Zeit und Verständnis. Das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. Die Person selber muss sich auch Zeit geben. Sie muss auch willens sein, mal was zu machen, was sie nicht interessiert. Denn im Leben muss ich auch viele Dinge tun, welche mich nicht interessieren. Aber sie gehören nun mal dazu. Also mache ich sie. Sonst kriege ich je nach dem Probleme. Und das muss nicht mehr sein. Ich hatte in meinem Leben schon genug davon.
Ich versuche meine Erfahrungen weiter zu geben. Versuche ihnen zu zeigen, dass es immer einen Weg gibt. Das sie aber diesen selber gehen müssen. Jedoch immer begleitet. Denn viele können nicht vollständig selbstständig sein. Sie brauchen jemanden, welcher ihnen hilft. Auch dafür sind wir da.
Ich arbeite wie viele sicher wissen, bei Specialisterne Schweiz AG. Diese Firma arbeite eng mit der Stiftung Autismuslink zusammen. So bilden wir ein Team, welches versucht, dass die falschen Hoffnungen doch in echte Hoffnung umgeformt werden kann. Das wir den Menschen mit Autismus eine reelle Chance geben können und auch wollen. Für mich es immer wieder eine Herausforderung, aber eine die mir Spass macht. Eine die ich gerne habe. Denn ich war selber mal in der Situation, welche viele Klienten von uns sind. Ich verstehe sie sehr gut. Und will vermeiden, dass sie viele Fehler, welche ich gemacht habe auch machen.
Das Wichtigste aber ist nicht die Hoffnung, sondern der Glaube an sich. An sich, das man es packt. Auch dann, wenn es mal nicht gut läuft. Und, dass man über seine Probleme spricht. Dass man sich austauscht mit anderen. Denn das Leben ist kein Einzelkampf sonder ein Geschenk das sich lohnt zu teilen.