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Dienstag, 13. August 2013

Asperger und das Zugfahren

Zugfahren kann eine sehr angenehme Sache sein. Jedoch nur dann, wenn es nicht viele Menschen darin hat. Wenn diese Ruhig sind, und nicht immer telefonieren und schwatzen müssen.
Ich fahre seit neustem mit dem Zug zur Arbeit und muss zugeben, dass es doch um einiges angenehmer ist, als immer im Stau zu stehen. Obwohl ich Autofahrer als Überzeugung bin, versuche ich es mal mit den ÖV. Das Einzige was für mich wirklich mühsam ist, dass ich 2 Mal umsteigen muss, und da jeweils 10 min warten muss. Dies verlängert die Reisezeit erheblich. Dafür kann ich während der Fahr dösen oder einfach zum Fenster hinaus schauen. Was ich gerne mache. Das kann ich ja während des Autofahrens nicht. Da muss ich mich immer konzentrieren. Da muss ich immer aufpassen, was ich mache. Beim Zugfahren nicht. Es ist nicht so, dass ich jetzt nur noch Zug fahren werden. Aber eine Weile sicher. Es ist für mich mal interessant zu sehen, wie ich mit den vielen Menschen umgehen, welche zur Rush-Hour sich in den Bahnhöfen befinden. Diese Menge Mensch, habe ich nicht erwartet. Auf der Autobahn, hat es auch viel Verkehr und Chaos, und scheinbar ebenso in den Bahnhöfen.
Es ist interessant zu sehen, wie die Pendler einfach ihren Weg gehen. Sie gehen diese wie mechanisch. Sie achten sich auf nichts mehr. Wie Zombies. Sie wollen in Ruhe gelassen werden, und lassen die anderen auch in Ruhe. Mir soll das recht sein. Ich will auch meine Ruhe. Zudem bin ich nach der Arbeit auch froh, wenn ich mich einfach in einen bequemen Sitz setzen kann, und einfach eine Weile nichts tun muss.
Zugfahren ist für mich als Autist aber auch stressig. Denn ich muss oder sollte fragen, ob noch ein Platz frei ist. Werde gefragt, ob ein Platz frei ist. Andere Menschen kommen an mir an. Ich an ihnen. Es geht nicht weiter. Ich muss stehen. Das alles ist nicht so einfach. Für mich ist das die Kehrseite. Der Preis für das nichts tun während der Fahrt nach Hause oder zur Arbeit. Dies gehört aber dazu. Da ich immer Musik höre, wenn ich unterwegs bin, bekomme ich nicht viel von der Umgebung mit über. Musik als Begleiter für unterwegs, ist für mich extrem wichtig. Denn nur so kann ich das überhaupt mache. Ohne Musik, könnte ich nicht mal Auto fahren. Ich muss mit Musik raus. Muss mit Musik doch die Welt fahren. Sie ist ein wichtiger Teil von mir. Für mich ist sie nicht nur Ablenkung, sonder auch eine Art Schutzschild. Denn ich konzentriere mich so mehr auf die Musik, als auf die Umgebung. Besonders in den Bahnhöfen wo sich so viele Menschen so schnell bewegen, ist für mich die Musik die einzige Rettung. Schnelle und hektische Bewegung sind für mich sehr schwierig. Sie bringen mich sehr schnell aus der Ruhe. Ich verliere die Übersicht, und mir wird schwindlig. Dies ist auch ein Grund, wieso ich Musik höre.
Mit dem Zug pendeln, ist nicht so schlimm, wie ich gedacht habe. Es hat sogar was für sich. Gut, ich meide die für mich schlimmen Zeiten. Ich fahre so früh wie ich kann auf Arbeit, und am Abend eher wieder später nach hause. Das ist für mich nicht schlimm. Wichtiger ist mir, dass es dann jeweils nicht mehr so viele Menschen unterwegs hat.
Mit dem Zug unterwegs sein, heisst auch, sich an bestimmte Zeiten halten zu müssen. Kommt man zu spät, ist der Zug abgefahren. Das ist für mich auch wieder eine neue Erfahrung. Ich kann nicht einfach nach Hause, wann ich will. Ich muss mich anpassen. Das ist gar nicht so schlecht für mich. Für mich ist es eine Entlastung, da ich mich nicht immer fragen muss, wann ich nach hause fahre. Auch muss ich mich um nichts kümmern, einsteigen und das wars. Es gibt mir so auch mehr Ruhe. Ich bin nicht ständig am planen und denken, wann ich nach hause fahre, muss ich noch einkaufen?, muss ich noch das und dies?. Das fällt so alles weg. Ich kann durch das Zugfahren mein Leben besser strukturieren. Was ich ehrlich gesagt, nicht gedacht hätte. Ich habe das Gegenteil erwartet. Wieder einmal wurde ich vom Leben eines besseren belehrt.