Dieses Blog durchsuchen

Translate

Dienstag, 12. August 2014

Asperger und der Muggelkonflikt

Ich lebe in einer Welt die ich nicht verstehe. Die nicht so funktioniert, das ich in ihr zurecht komme. Ich verstehe vieles nicht. Und doch kann ich in ihr leben. Kann meine Leben selbst leben. Brauche dazu keine Hilfe. Das jedenfalls meinte ich immer. Ich dachte immer, das ich alles im Griff habe. Aber dem ist nicht so.
Ich kann vieles nicht einfach so. Einkaufe zum Beispiel. Wenn ich in einen Laden muss, den ich nicht kenne, dann wir es schwierig für mich. Ich kann es meistens so organisieren das ich nicht alleine hin muss. Darin bin ich Meister. Ich weiss wie ich es machen muss, das ich nicht alleine gehen muss. Aber auch sonst habe ich nicht alles im Griff. Früher habe ich einfach gearbeitet. Mal hier mal da. Mal 6 Monate mal 6 Jahre. Doch immer habe ich die Stelle verloren. Ich dachte immer, dass das nichts mit mir zutun hatte. Doch heute weiss ich, dass dem nicht so ist. Das ich anders bin. Das ich nicht in die Welt der Muggel passe. Das ich Menschen um mich brauche, die mir helfen. Die mich verstehen.
Seit fast 3 Jahren arbeite ich nun für Specialisterne. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, nicht da zu arbeiten. Denn nur da habe ich das Umfeld, welches ich brauche. Welches mir auch die Freiheit gibt, das ich so sein kann wie ich bin. Wieder eine Hilfe mehr. Denn alleine würde ich es nicht schaffen. Könnte nicht mehr in die Welt der Muggel zurück. Könnte nicht mehr in ihr bestehen.
Nur indem ich mich so weit wie ich kann von dieser Welt entfernt habe, kann ich leben. Kann das tun, was ich will. Muss nicht ständig aufpassen, dass ich was falsch mache.
Der Muggel-Konflikt ist aber der, dass ich nicht einfach für mich lebe. Ich lebe in einer Welt voller Muggel. Sie bestimmen die Regeln. Nicht ich. Ich kann nur versuchen, so gut ich kann, mich aus ihr zurückzuziehen. Nicht mehr so ein grosser Teil von ihr zu sein, wie er mal war. Das ist etwas was mir mein Leben sehr erleichtert hat. Denn so habe ich weniger Stress. Doch der Konflikt bleibt bestehen. Ich kann nicht einfach so tun als ob ich alleine wäre. Das geht nicht. Denn ich will ja ein Leben das ich bestimmen kann. Würde ich das nicht mehr wollen, dann würden die Muggel bestimmen. Ich würde das nicht überleben. Denn sie wissen nicht, wie ich denke. Handle und fühle. Zum Glück habe ich meine Frau. Sie ist für mich die Person, welche mir die Kraft und Ruhe gibt, die ich brauche. Die für mich da ist. Die mich versteht. Aber ich verstehe auch dank ihr die Muggel besser. Denn sie erklärt mir vieles das ich nicht verstehe. Es ist nicht so, dass ich sie dauernd frage, aber es kann schon vorkommen. Ich will ja in dieser Welt bestehen können. Einfach mit meiner Art. Mit meinen Fähigkeiten. Und nicht mit einem Handeln und Denken, das nicht meines ist. Ich will mich nicht mehr verstellen. Aber ich denke, das geht nicht nur mir so. Viele Asperger sind es leid sich verstellen zu müssen. So zu sein wie die Muggel. Auch sie leben in einem Konflikt. Denn wer nicht so ist wie die Muggel, der wir ausgestossen. Nur Wenige verstehen uns. Nur wenige können mit uns umgehen.
Für mich ist es einfach mit anderen Asperger zusammen zu sein, als mit Muggel. Bei denen weiss ich nie, woran ich bin. Was sie wollen. Ausgenommen sind nur wenige Personen, wie meine Frau, oder mein Chef. Sonst habe ich so meine Mühe. Die Muggel sind für mich sehr anstrengend. Aber ich denke, ich bin es auch für sie. Wir sind halt anders. Das macht die Sache nicht einfacher, sondern eben anstrengender. Für beide Seiten. Doch wir müssen, wenn wir etwas wollen, so gut wir können nach den Regeln der Muggel leben. Müssen uns so gut wir können anpassen. Früher habe ich mich viel stärker angepasst als heute. Heute bin ich so, wie ich bin. Ich meine, ich versuche nicht aufzufallen. Doch das gelingt mir nicht immer. Nur eine kleine Abweichung und ich kann ausrasten oder einen dummen Spruch machen, der verletzen für die Muggel ist. Mit Absicht tue ich das nicht. Ich weiss, das ich das nicht tun sollte, aber ich kann es nicht verhindern. Damit muss ich und mein Umfeld leben.
Meiner Frau erkläre ich jeweils, dass ich es nicht extra mache. Ich entschuldige mich sogar. Das habe ich früher nie gemacht. Wieso auch? Doch bei meiner Frau ist das etwas anders. Sie ist meine Liebe. Die Frau meines Lebens. Da kann ich mich doch entschuldigen? Ich denke ja.
Der Muggel-Konflikt ist für mich etwas, das ich lieber nicht hätte, aber ich habe ihn nun mal. Damit muss und kann ich leben. Dies weil ich gelernt habe, wie die Muggel denken und handeln. Auch wenn ich vieles nicht verstehe so denke ich doch, dass ich einigermassen damit zureche komme.