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Freitag, 1. August 2014

Asperger und die Distanz

Es gibt ja verschiedene Distanzen. Sei es die Entfernung von Objekten aber auch die zu anderen Menschen.
Ich habe mit beiden so meinen Probleme. Zum einen kann ich die Distanz zu anderen Gegenständen nicht einschätzen. Ich stosse mich regelmässig an allem Möglichen. Dies einfach desshalb, weil ich nicht merke, dass sich Gegenstände in meiner Nähe befinden. Aber auch, weil ich die Distanz nicht abschätzen kann. Ich werde auch immer mal wieder gefragt, wie ich das mit dem Auto fahren mache. Da ist das abschätzen von Distanzen ja sehr wichtig. Nun ganz einfach. Ich habe mir gemerkt, wie gross ein Objekt sein muss welches eine bestimmte Distanz hat. So kann ich die Distanz einhalten die gefordert ist. Das war nicht immer so. Ich musste ja letztes Jahr meinen Führerschein abgeben. Dies einfach deshalb, weil ich zu nahe aufgefahren bin. Für mich war es nicht zu nahe. Aber die Polizei hat das anders gesehen. Da wurde mir erst bewusst, was Distanzen sind. Zuvor wusste ich es, aber ich habe es nicht begriffen. Mein Verständnis für Distanzen ist nicht das der Muggel. Ich musste also mal wieder vieles auswendig lernen. Beim Auto fahren kann ich das jetzt. Aber sonst, kann ich das nicht.
Das ist auch der Grund wieso in meiner Wohnung jeder Gegenstand genau seinen Platz hat. So weiss ich wie weit er entfernt ist. So kann ich ihn auch fassen, ohne das ich versuchen muss, ihn zu fassen.
Denn einen Gegenstand der einfach so rumliegt, kann ich meistens nicht einfach greifen. Ich verschätze mich oft.
Damit muss und kann ich leben. Denn ich kenne es nicht anders. Weiss nicht wie es ist, wenn man 3D sieht. Weiss nicht wie es ist, wenn man die Distanzen abschätzen kann. Bis vor 2 Jahren wusste ich nicht einmal, dass ich das nicht kann. Für mich war es normal, dass ich mich stosse oder Gegenstände nicht greifen kann. Bis ich herausgefunden hatte, wieso. Das war ein Schock. Denn ich erkannte einen weiteren Unterschied zu den Muggel. Einer der mich behindert. Denn ich muss mich viel mehr auf meine Umgebung achten als die Muggel. Muss viel schneller reagieren können. Das ist nicht immer einfach. Besonders dann nicht, wenn ich müde bin.
Aber es gibt ja noch eine andere Distanz. Die zu den Menschen. Ich kann nur schwer eine Beziehung zu anderen Menschen aufbauen. Wenn sie nicht da sind, dann sind sie nicht. Wenn ich sie nicht höre, dann existieren sie nicht. Die Ausnahme ist meine Frau. Sie ist in Gedanken immer bei mir. Die auch, weil ich immer eine Verbindung zu ihr habe. Nicht nur in Gedanken, sondern auch mit dem Handy. Ich habe dieses immer bei mir. So habe ich die Sicherheit, dass ich sie jederzeit erreichen kann. Aber auch, dass ich noch einen Bezug zur Realität habe.
Sonst bin ich eher Distanziert. Ich kann ohne Probleme mit anderen Menschen sprechen. Aber eben, nicht immer und nicht lange. Denn ich habe damit so meine Mühe. Es ist anstrengend mit anderen Menschen zu sprechen. Mit ihnen über weiss nicht was zu sprechen. Meistens sind es ja belanglose Dinge. Das liegt mir nicht. Das ist sicher auch einer der Gründe, wieso ich ausser meiner Frau niemanden habe. Das ist nicht schlimm.  Für mich ist es nicht wichtig, das ich Freunde habe. Das ich viele Menschen um mich herum habe. Mir reicht meine Frau. Mit ihr habe ich den Menschen der mir am wichtigsten ist.
Ich denke, das ist auch einer der Gründe, wieso Asperger keine oder nicht viele Freunde haben. Sie wissen nicht wie, oder es wird ihnen zuviel. Auch wirken wir immer irgendwie distanziert. Abwesend. Dem ist nicht immer so. Es ist einfach das Unvermögen zu sprechen. Das Unvermögen zu sagen, was man will. Das nicht auf jemand anderes eingehen zu können. Die fehlende Empathie.
Ich denke, dass das einen Teil der Behinderung ist. Wobei, Behinderung? Es ist für uns normal so zu leben. Nur für die Muggel eben nicht. Sie verstehen nicht, dass uns das nicht so wichtig ist. Sie verstehen nicht, das wir uns für andere Dinge interessieren. Das wir uns mehr um uns selber kümmern. Das wir nicht sagen können was wir wollen. Sie meinen aber, dass sie uns beibringen müssen, wie sie denken und handeln. Wie wir zu denken und handeln haben. Dabei können wir das nicht. Sehen auch den Sinn nicht ein, zu sein wie die Muggel. Sie können und wollen ja auch nicht so sein, wie wir. Wieso also lassen sie und nicht mit ihren Therapien in Ruhe? Sie wollen die Distanz zu uns abbauen indem sie uns zum Umdenken erziehen wollen. Dabei sollten sie in uns nicht den Autisten sehen, sondern den Menschen. Wir alles sind auch Menschen. Wir alle haben die selben Rechte wie die Muggel. Aber auch Pflichten. Es kann nicht sein, dass nur weil wir distanziert wirken, nicht für voll genommen werden.
Ich denke, das ist auch einer der Gründe wieso ich nicht gerne mit Muggel zusammen bin. Sie sehen in mir immer den Autisten. Nicht den Menschen. Sie nehmen mich nicht ernst. Sie haben sogar Angst vor mir. Dies einfach deshalb, weil ich nicht so reagiere, wie sie es gewohnt sind. Weil sie nicht verstehen, das nicht alle Menschen Muggel sind. Ich denke das ist die grösste Distanz zwischen uns und den Muggel. Das nicht verstehen. Das nicht begreifen.