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Dienstag, 24. Dezember 2013

Asperger und das Alleinsein

Der Muggel ist ein soziales Wesen. Alleine sein, ist nicht sein Ding. Er muss unter Muggel sein, damit er sich wohl fühlt. Sonst wird er wahnsinnig. Er braucht den sozialen Austausch. Braucht das Gesehenwerden genau so wie das Sehen. Viele die alleine wohnen, haben so ihre Probleme damit. Sie unternehmen alles, dass sie nicht zu hause sind. Sie sind in Fitness-Center oder in den Shopping-Center. Sie kommen spät nach hause, gehen wieder früh raus. Sie merken gar nicht, dass das ein natürliches Verhalten ist. Dass sie mit dem Alleinsein nicht umgehen können.
Ich für mich, bin gerne alleine. Mir macht das nichts aus. Im Gegenteil. Ich gehe nur raus, wenn ich muss oder will. Das sicher wenn ich auf Arbeit fahre, aber auch, wenn ich zu meiner Frau fahre. Aber sonst nicht. Als ich arbeitslos war, da blieb ich manchmal tagelang in meiner Wohnung. Raus ging ich nur, wenn ich was benötigte. Sonst nicht. Ich habe nicht das Bedürfnis andere Menschen zu sehen. Will auch nicht von ihnen gesehen werden. Gut, ich merke gar nicht, wenn mich andere Menschen ansehen. Nicht einmal meine eigene Frau.
Doch das Alleinsein hat auch seine Tücken. Das lerne ich jetzt gerade. Wir haben einige Asperger die von zu hause ausziehen wollen. Sie wissen aber nicht, wie ein Alltag gestaltet werden muss. Was es alles braucht, damit eine Wohnung funktioniert. Also die Sachen mit dem Einkaufen, putzen, Rechnungen bezahlen und Ordnung halten. Das alles kennen sie nicht. Bis jetzt haben das ihre Eltern übernommen und sie waren oder sind nur teilweise daran beteiligt gewesen. Aber die Verantwortung für eine Wohnung mussten sie noch nie übernehmen. Auch können einige nicht einfach alleine sein. Auch sie brauchen andere Menschen um sich herum. Sie brauchen auch den Austausch. Genau wie die Muggel.
Dazu kommt, dass sie sich lieber mit den Dingen beschäftigen, die sie interessieren. Sie sehen aber nicht, dass sie die Unabhängigkeit interessieren sollte. Ihr eigenes Leben. Das nur sie über ihr Leben bestimmen können und nicht andere. Das sehen sie nicht. Sie wollen das, aber dafür was tun, nein. Bis jetzt haben ja auch die anderen für sie geschaut. Also sollte das doch so bleiben.
Ich habe das nie gekonnt. Ich wollte immer schon selber bestimmen. Habe mir nie Vorschriften machen lassen, was ich tun und lassen soll. Schliesslich ist es mein Leben und nicht deren. Klar, in einer Beziehung kann nicht jedes machen was es will. Aber doch sollte man sich nicht selber aufgeben und nur noch für das andere da sein. Das kommt auf die Dauer nicht gut.
Alleinesein ist für mich nicht schlimm. Es ermöglicht mir, dass ich mich erholen kann. Dass ich auch die Ruhe finde, welche ich brauche. Denn, wenn ich alleine bin, muss ich eine Sache nicht tun. Sprechen. Ich kann einfach die ganze Zeit stumm sein. Für mich ist das auch Erholung. Klar, spreche ich auch. Sogar gerne. Aber immer mit Mass. Sonst kriege ich Schwindel. Auch habe ich meine Wohnung so eingerichtet, wie ich will. Es hat soviel Licht wie ich will. Das geht nicht, wenn man nicht alleine wohnt. Das andere hat ja auch seine Ansprüche. So müssen Kompromisse gemacht werden. Das ist aber nicht mein Ding. Es gibt JA und NEIN. Und kein dazwischen. Für mich jedenfalls nicht.
Alleinesein ist also Erholung von der Welt. Erholung vom Stress. Aber auch Eigenverantwortung und für mich die Definition von selber über das eigene Leben zu bestimmen.