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Freitag, 27. Dezember 2013

Asperger und die Zweisamkeit

Alleine sein hat seine Vorzüge. Man ist niemandem Rechenschaft schuldig, kann tun was man will. Muss keine Rücksicht nehmen. Und doch ist das nicht alles. Es fehlt etwas. Es fehlt eine andere Person. Nur zu zweit kann man diskutieren. Kann man gemeinsames erleben. Das geht alleine nicht. Jedoch braucht es sicher nicht immer jemanden, der um einem herum ist. Auch braucht es die Zeit, welche einem ganz alleine gehört.
Ich geniesse die Zeit alleine. Aber nicht so sehr, wie mit meiner Frau zusammen. Viel lieber bin ich mit ihr zusammen. Lachen und etwas erleben. Das ist das, wonach ich mich lange gesehnt habe. Einfach nicht mehr alleine sein.
Jedoch ist es so, dass wir uns entschieden haben, nicht zusammen zu wohnen. Wir wohnen getrennt. Das aus dem einfachen Grund, dass jedes doch noch seine Freiheiten hat. Das jedes doch noch machen kann wie es will. Es geht dabei nicht darum, dass wir nicht zusammen sein wollen, sondern dass jedes sein eigens Leben behalten kann. Wohnt man zusammen, ist es damit vorbei. Man ist selten alleine. Alle Entscheide müssen zusammen getroffen werden. Das ist auf Dauer zu anstrengend. Zumindest für mich. Ich brauche meine Freiheit. Brauche mein eigenes kleines Reich indem ich machen kann wie ich will.
Zweisamkeit muss aber nicht immer heissen, dass man zusammen wohnt. Man kann auch zusammenleben, ohne zusammen zu wohnen. Dies ist heutzutage dank des Internets und der Smartphones einfacher den je. Diese Technologien nutzen meine Frau rege. Wir schreiben uns sehr viele Nachrichten pro Tag. So hat doch jedes Anteil am Leben des anderen. Auch wenn wir uns nicht sehen. Es ist nicht so, dass nur ich das so gewollt hätte, nein, sie auch. Sie hat mir ausdrücklich gesagt, dass aus dem Zusammenziehen nichts wird. Ich habe nichts dagegen.
Jedoch geniessen wir die Zweisamkeit, wenn wir zusammen sind. Wenn wir uns sehen. Wenn wir gemeinsam etwas machen. Hauptsache ist, dass wir uns sehen. Uns berühren können. Uns hören. All das ist meiner Meinung nach wichtig, wenn man zusammen ist. Es sollte nicht sein, dass einem die Anwesenheit des anderen stört. Das es eine Pflichtübung ist und man man froh ist, wenn es vorbei ist. Das gibt es sicher auch. Aber meine Frau ist die Einzige, bei welche ich dieses Gefühl nicht habe. Ich bin zu gerne mit ihr zusammen. Bei anderen ist es anders. Da bin ich froh, wenn ich sie nicht immer sehen muss. Mir werden Menschen sehr schnell zu viel. Sie sind anstrengend. Sie wollen immer etwas. Sie sprechen komisch. Sie sind für mich komisch.
Meine Frau ist da die Ausnahme. Sie ist anders. Bei ihr habe ich nie das Gefühl, dass sie mich nervt. Mir zu viel wird. Ich lieber wieder alleine bin. Nein, ich geniesse die Zweisamkeit mit ihr. Für mich das die wertvollste Zeit die ich habe. Sie ist für mich das, was es heisst zu leben. Ich kann mit ihr alles teilen. Ich liebe es auch, mit ihr durch das Leben zu gehen. Anteil an ihrem Leben zu haben.
Zweisamkeit ist für mich aber auch die Zeit in welcher ich die Welt sein lassen kann. Dann gibt es nichts ausser meiner Frau und mir. Sonst nichts. Das ist für mich die reinste Erholung vom Alltag. Einfach abschalten. Dies kann ich nur, wenn ich mit ihr zusammen bin. Komisch, ich der nicht gerne mit anderen Menschen zusammen bin, bin doch zu gerne mit meiner Frau zusammen. Ich denke, dass ist aber nur möglich, weil ich sie so sehr liebe. Weil sie für mich mehr ist als einfach nur ein Mensch. Sie ist meine Ehefrau. Ja, aber sie ist auch vom Wesen her etwas besonderes. Zumindest für mich.
Ich sehe die Zweisamkeit auch als Chance die Beziehung zu leben und nicht nur von ihr zu sprechen oder über sie zu schreiben. Für mich ist Zweisamkeit Leben. Leben im Sinne von Teilen, Geben aber auch erhalten.