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Donnerstag, 26. Dezember 2013

Asperger und das Ausgegrenztsein

Menschen wollen unter ihresgleichen sein. Sie wollen einer Gruppe angehören. Wer anders ist, der hat es schwer, Anschluss zu finden. Der wird nie richtig dazu gehören.
Dies habe ich jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang erlebt. Ich war immer anders. Wusste aber nicht wieso. Einen Namen hatte das schon gar nicht. Und doch wusste ich immer, dass ich nicht so bin, wie diejenigen, mit denen ich zusammen bin. Mit denen ich zusammen arbeite. Ich wurde nie wirklich akzeptiert. War viel alleine. Wurde ausgenutzt. Ich dachte aber immer, dass das sein muss, dass ich auch dazu gehöre. Dem war aber nicht so.
Ich kam mir immer ausgegrenzt vor. Und doch nicht. Denn ich stellte mir diese Frage nicht. Ich machte einfach immer. Gut kam es nie heraus. Irgendwann war Schluss und ich musste mich nach neuen Menschen und neuer Arbeit umsehen. Das ging jahrelang so. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich die Diagnose bekam. Dann änderte sich alles. Ich gehörte plötzlich zu einer Gruppe dazu. Gehörte aber nicht zu der Gruppe, welche ich vermutete, sondern zu den Autisten. Nicht den Muggel.
Ich erlebte unter den Muggel so einiges. Was mir aber geblieben ist, ist dass sie mich nie verstanden haben und ich sie nicht. Wir sprachen eine andere Sprache. Sie ist zwar deutsch, aber doch nicht.
Heute arbeite ich mit Asperger zusammen. Das ist für mich viel einfacher. Ich kann so sein und sprechen, wie ich bin. Ich muss nicht versuchen, die Muggel nachzumachen. Muss nicht versuchen, so zu sein, wie sie.
Aber ich erlebe das umgekehrte. Wir Asperger sind bei uns in der Überzahl, die Muggel also in der Unterzahl. Die neuen Muggel, haben zum Teil grosse Probleme. Sie sind plötzlich in der Rolle, in welcher ich war. Sie sind die Minderheit. Sie sind das nicht gewohnt. Auch wenn sie sagen, dass ihnen das nichts ausmacht und sie uns verstehen. So haben sie doch keine Ahnung. Wie auch? Sie kenne das Asperger nicht einmal wirklich. Sie müssen sich zuerst einlesen. Müssen Erfahrung mit uns sammeln.
Sie sind die Ausgegrenzten. Sie sind die Komischen. Nicht wir. Das ist für sie aber auch für mich neu. Mit Muggel zu arbeiten ist für mich sehr anstrengend. Sie wollen immer etwas. Vordern immer nur. Sie geben nicht. Sie wollen immer alles ändern. Sie verstehen nicht, dass wir anders ticken. Das wir anders sprechen. Wenn ich mit meinen Jungs spreche, so verstehen die Muggel nichts oder nicht viel. Nur die Profis bei uns, die verstehen. Sie müssen manchmal als Übersetzer herhalten. Wie bei einer Fremdsprache. Das ist es aber, was uns an einem normalen Arbeitsplatz fehlt. Einen Übersetzer. Einer, der uns versteht. Der unsere Sprache in die der Muggel übersetzen kann. Das gibt es bis heute so nicht. Aber wir von Specialisterne und Autismuslink, bemühen uns auch um das. Ich habe den Vorteil, dass ich unter Muggel aufgewachsen bin. Also kann ich ihre Sprache ein wenig. Nicht viel. Aber immerhin. Dazu gehört eben nicht nur das Verbale, sondern besonders das Nonverbale. Das ist es, was die Sprache der Muggel auszeichnet. Sie sprechen sehr viel mit dem Körper und nicht mit dem Mund. Das war mir neu. Diese Sprache kann ich sehr sehr schlecht. Ich sehe die Signale nicht, oder nur, wenn sie sehr deutlich sind.
Ich denke, dass wer nicht die gleiche Sprache spricht, ausgegrenzt wird. Das ist nicht nur zwischen Muggel und Asperger so, sondern überall auf der Welt. Deshalb gibt es ja Länder. Sie vereint dieselbe Sprache.
Heute fühle ich mich nicht mehr ausgegrenzt. Im Gegenteil. Endlich bin ich an einem Ort, wo ich ernst genommen werde. Wo ich so sein kann, wie ich bin. Wo endlich mal die Asperger die Mehrheit sind und nicht die Muggel. So lässt es sich viel besser Leben. Ich jedenfall habe Spass an meiner Arbeit. Ich kann endlich am Morgen aufstehen und mich auf die Arbeit freuen. Nicht so wie früher. Heute kann ich endlich leben. Dies weil ich einer Gruppe angehöre, welche so ist wie ich.