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Dienstag, 20. März 2012

Keine Aussenwelt

Wie kann man sich das vorstellen, keine Aussenwelt zu haben? Geht das überhaupt?
Es ist eigentlich ein Paradox. Denn man sieht die Welt, man fühlt sie, man richt sie und man kann sie berühren. Diese Punkte sind eigentlich so eine Art Definition und zugleich auch die Brücke vom Innen zum Aussen. Doch was ist, wenn mann sie nicht fühlt? Also die Umgebung gar nicht wahrnehmen kann. Druck und Temperatur ja, aber es spielt keine Rolle, ob man im Auto sitzt, oder in der Sahara steht. Es ist eigentlich das Selbe.
Ich sage den Menschen um mich immer, dass sie für mich nicht existieren. Das löst immer Unverständnis aus. Die Menschen meinen dann, dass sie mir egal sind. Aber das stimmt nicht. Ich kann sie bloss nicht wahrnehmen. Das ist alles.
Wenn ich durch unbekannte Räume muss, dann wird es schwierig. Denn ich muss mich eigentlich wie ein Blinder ohne Stock, durch den Raum tasten. Dabei habe ich eine Technik entwickelt, dass es nicht auffällt. Es ist doch komisch, das ein Normalsehender sich durch die Umwelt tasten muss. Aber das ist leider so.
Es ist auch nicht immer angenehm. Denn ich stosse mich recht häufig an Ecken oder Wänden. Ich laufe einfach in sie hinein. Das ist nicht sehr gut. Aber damit muss ich leben. Und das mache ich jetzt schon einige Jahrzehnte so.
Bin ich mit jemanden ein einem Raum, so wird es kritisch. Denn es kann leicht passieren, dass ich der Person im Raum was antue. Nicht fest oder mutwillig, nein, einfach, weil ich sie nicht wahrnehmen kann.
Ich habe viele Leute gefragt, wie man sich das Wahrnehmen vorstellen muss. Alle haben es mit einem einzigen Wort erklärt: Wärme. Das hat mich echt nachdenklich gemacht. Und ich habe viel ausprobiert, dass ich es nachvollziehen kann. Aber alles hat nichts gebracht. Die Welt ist für mich nicht vorhanden.
Sie ist für mich auch in etwa so sichtbar, wie wenn ein Normaler eines seiner Augen abdeckt, und nur noch mit einem schaut. Der volle 3D-Effekt ist dahin. Viele können sich nicht vorstellen, das man so mit 2 Augen sehen  kann.
Das führt zum Problem mit Distanzen. Es ist für mich ein leichtes, aus einer Distanz etwas in einen Eimer zu werfen, aber ich kann die Distanz bis zur nächsten Türe oder so nicht einschätzen. Daher das mit dem Tasten.
Wenn ich die Materie berühre, dann weiss ich, dass ich ihr nahe bin.
Das Selbe ist mit Berührungen von Menschen. Ich nehme nur die Stelle wahr, wo ich berührt werde, oder wo ich jemanden berühre. Mehr nicht.
Gut, viele werden jetzt denken, das habe ich auch ab und zu. Aber eben, ab und zu. Und nicht immer, das ist der Unterschied.
Doch im grossen und ganzen kann ich damit gut leben. Es schränkt mich nicht ein. Ich fahre sogar seit vielen Jahren Auto, und würde nur ungern darauf verzichten. Denn es ermöglicht mir, dass ich mich irgendwohin begeben kann, ohne dass ich mit Menschen in Kontakt komme. Also eine sehr praktische Sache. Zudem habe ich meine Ruhe. Es gibt auch keine Hektik. Nur das Fahren und die Musik.
Wahrnehmung ist was sehr eigenes. Jeder nimmt die Welt anders wahr, und doch scheint es so, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Diese habe ich versucht herauszufinden. Doch eines muss ich eingestehen, dass ich einiges nicht kann. Das zuzugeben, ist nicht leicht. Aber wenn man es mal gemacht hat, dann lässt sich damit gut leben.