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Dienstag, 27. Dezember 2011

Autismus und Beziehungen

Was kann alles als eine Beziehung angesehen werden? Ist damit nur die Relation zwischen Menschen gemeint, oder gibt es noch Andere?
Sicher ist in erster Linie die Beziehung von Menschen zu Menschen gemeint. Dies ist ist komplexeste Art einer Beziehung. Denn es spielen sich sehr viele unterbewusste Entscheidungen und Prozesse ab. Also alles Dinge, die wir nicht bewusst steuern können. Doch das ist genau das, was Autisten so viel Mühe bereitet. Denn das Erkennen dieser Signale und Gesten ist für uns eigentlich nicht interpretierbar. Daher ziehen es Autisten vor, alleine zu sein. Das macht sie zu Einzelgängern und auch zu sonderbaren Wesen. Die Neurotypischen verstehen unser Verhalten nicht. Sie können das nicht nachvollziehen. Aber es ist so, dass wir lieber alleine sind. Es vermindert den Stress und auch die Unsicherheit.
Aber auch Autisten haben Beziehungen. Diese kann zu einem PC sein, oder sonst irgend was. Also etwas, dass keine Rückmeldung gibt, und auch nicht fordert. Es macht das Leben einfacher. Und doch ist man nicht alleine. Denn das sich mit Etwas befassen ist genau so spannend, wie sich mit Anderen auszutauschen.
Für mich ist es einfacher, wenn ich mich per Email oder Facebook austauchen kann. Schreiben ist viel angenehmer, und es gelingt mir auch besser. Ich werde nicht von der Umgebung abgelenkt, und muss mich nicht auf das Gegenüber konzentrieren. Also wird mein Gehirn entlastet.
Das geht natürlich nicht immer. Auf Arbeit ist es nicht möglich immer nur alleine zu sein. Da sind Gespräche und Sitzungen an der Tagesordnung. Aber, ich habe das grosse Glück, für eine Einrichtung zu arbeiten, welche Autisten bevorzugt einstellt. Das macht das Arbeitsleben einfacher. Es wird auf die Art der Autisten Rücksicht genommen. Telefone gibt es nicht. Diese werden von denn NT erledigt. Das ist schon mal ein wichtiger Teil.
Auf Arbeit ergeben sich logischerweise immer wieder Beziehungen. Dies unter den Mitarbeiter/innen, als auch mit mit Kunden. Aber, es ist alles auf eine ruhige und stressfreie Art. Was man von einem "normalen" Arbeitsplatz nicht sagen kann. Da passiert sehr viel unbewusst. Und das wurde mir einige Male zum Verhängnis. Ich erkannte die Signale nicht, und wurde also wieder und wieder entlassen. Doch heute ist das überwunden, und ich bin zufrieden mit einer neuen Stelle.
Die Beziehung im privaten ist dann wieder eine Sache für sich. Viele Autisten wünschen sich eine dauerhafte Partnerschaft. Doch das ist schwierig. Die Ansprüche sind für uns im Normalfall zu hoch. Ich schreibe aus Erfahrung. Selber hatte ich eine Beziehung, welche viele Jahre dauerte. Das war eine schöne aber auch eine sehr anstregende Zeit. Denn das richtige Reagieren ist nicht mein Ding. In bestimmten Situation weiss ich einfach nicht was sagen oder tun. Es ist aber nicht so, dass ich von Beziehungen abrate. Der Partner oder die Partnerin sollte sich einfach bewusst sein, was es bedeutet, mit einem Autisten oder Autistin zusammen zu sein. Es kommt sehr wenig von uns zurück. Das Wenige ist aber mit grösster Mühe erarbeitet, und meistens nur ein Minimum, was dann auf die Dauer zu wenig ist.