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Dienstag, 20. Dezember 2011

Autismus und Empathie

Was ist eigentlich Empathie? Braucht es diese überhaupt?
Lange Jahre habe ich nicht gewusst, was Empathie ist. Das hat nicht damit zutun, dass ich das Wort nicht kannte. Aber seine Bedeutung ist mir nie klar gewesen. Sich in jemanden einfühlen. Das fühlen, was der andere in einer bestimmten Situation fühlt. Das war und ist mir fremd. Für mich ist es ein Wort, das keine Bedeutung hat. Freut sich jemand, so kann man sich mitfreuen. Doch Empathie ist mehr. Es löst im Körper scheinbar Impulse und Erinnerungen aus, die einem das Selbe fühlen lassen, basieren auf der eigenen Erfahrung. Doch scheinbar, und ich brauche dieses Wort inflationär, ist es so, dass Menschen fähig sind, auf neue Situationen mit alten bekannten Situationen zu reagieren. Das heisst, das es keine Rolle spielt ob die Situation neu oder bekannt ist. Sie reagieren, also ob sie diese neue Situation kennen würden. Das Ereignis ist vom Gefühlszustand entkoppelt. Und genau das ist der Punkt. Das kenne ich nicht. Eine neue Situation, ist eine neue Situation. Die hat es noch nicht so gegeben. Das heisst im Umkehrschluss, dass ich keine "Gefühle" dazu kenne. Somit hat sich das Thema Empathie erledigt.
Dass wäre aber dann doch ein wenig zu einfach. Denn es ist nicht so, dass ich keine Gefühle habe. Aber ich kann mich nicht in die Lage einer anderen  Person versetzten. Ihre Bedürfnisse und Ängste, Freuden und Leiden, kann ich nicht nachvollziehen.
Empathie ist eigentlich eine komische Sache. Ist jemand traurig und weint, und eine andere fröhliche lachende Person kommt hinzu, so ist es nicht möglich, zumindest nicht für mich, vorherzusehen, in welche Richtung die Situation sich entwickeln wird. Es kann sein, dass dann die fröhliche Person weint und traurig ist, oder aber, die traurige fröhlich wird. Scheinbar hängt es von der Stärke ab. Ist die Trauer stärker als die Fröhlichkeit, so sind beide traurig. Das Gleiche gilt auch umgekehrt. Aber dass ist nur eine Hypothese von mir. Es ist mir aber aufgefallen, dass scheinbar fröhliche Menschen, die eine gute Laune haben, plötzlich, wenn sie mit einer leidenden Person zusammentreffen, auch zu leiden beginnen. Das ergibt für mich keinen Sinn. Wieso soll ich plötzlich leiden, wenn es mit gut geht? Dem anderen geht es schlecht, nicht mir. Es ist also sein Problem. Ich kann diese Person unterstützen oder mit ihr sprechen, das ja, aber das empfinden, was diese tun, nein.
Autisten habe das aber scheinbar. Ihr EQ ist um einiges niedriger, als bei einem Normalo. Wieso das so, weiss ich nicht. Aber ich denke, dass es damit zusammen hängt, dass wir in einer Art "Glashaus" leben. Das habe ich ja früher schon einmal thematisiert gehabt. Die Welt kommt nicht an uns ran. Wir erkennen Situation nicht richtig, oder verhalten uns nicht wie erwartet. Die Erwartung ist in diesem Fall etwas intuitives. Das heisst, wir machen es "falsch". Aus unserer Sicht ist es nicht falsch und komisch, aber aus der Sicht eines Neurotypischen schon.
Dieses Erkenntnis ist, so finde ich, wichtig. Denn es hilft einem zu verstehen, wieso sich die Menschen manchmal so komisch verhalten. Es hilft auch, dass man versteht, was der Andere will. Nur eines kann es nicht, richtig intuitiv zu reagieren. Denn das ist ein Prozess, der in einem Bruchteil einer Sekunde abläuft. Dass heisst, wir sind immer zu langsam. Aber wenn das Gegenüber weiss, dass ich ein Autist bin, so ist es, meiner Erfahrung nach, kein Problem. Ich habe bis jetzt keine schlechten Erfahrungen gemacht.