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Sonntag, 6. November 2011

Autismus als Behinderung II

Für mich ist es wie schon geschrieben, eine Behinderung. Dies will ich jetzt genauer erläutern.
Es beginnt bei normalen Dingen, wie einkaufen oder Rechnungen bezahlen. Das sind Sachen, die ich nicht gerne mache. Gut, wer bezahlt schon gerne Rechnungen? Aber das ist genau der Punkt. Ich mache es eigentlich gerne. Denn ich habe ja eine Leistung bezogen. Aber gleichwohl ist fällt es mir schwer. Was mir aber geholfen hat, ist dass mit meine Therapeutin einen Weg gezeigt hat, wie ich dieses Problem lösen kann. Er ist ganz einfach. Alle Briefe, die ich bekomme, sofort öffnen. Das liest sich jetzt einfach. Hat aber eine grosse Wirkung. Denn ich sehe, was ich zu tun habe. Briefe die Verschlossen bleiben, bleiben es auch. Bis dann Mahnung oder noch schlimmeres kommt.
Das Andere ist das Einkaufen. Dass ist bis heute eine Belastung. Denn in den Läden ist es immer laut und hektisch. All diese Dinge die da angeboten werden. Und immer mal wieder wird der Laden umgestellt. Das ist wirklich mühsam. Denn für mich müssen die Sachen immer am gleichen Ort sein. So habe ich es auch zu hause eingerichtet. Alles hat seinen exakten Platz. Dazu kommt, dass die Leute immer im Weg stehen. Sie machen einfach was sie wollen. Das ist Stress pur. Denn ich merke nicht, wenn jemand neben mir steht. Ich bin immer bemüht, meinen Körper unter Kontrolle zu haben, so dass die Arme nicht tun und lassen was sie wollen. Denn es kann leicht passieren, dass ich jemandem eine knalle. Je mehr Leute in einem Laden sind desto schlimmer ist es. Deshalb überlege ich mir, was ich will. Gehe rein, hole die Sachen, und ab an die Kasse. Doch dort angelangt, geht es weiter. Die Verkäuferin schaut einem an, sie fragt nach Karten oder sonst was. Das ist nicht mein Ding. Ich muss mir dann immer eine Antwort überlegen. Auf viele Fragen habe ich mir eine Standardantwort überlegt. Und kann sie rasch geben.
Aus dem Laden raus. Danach ist mir meistens schwindlig. Ich habe gelernt, damit um zu gehen. Es ist das Anzeichen einer Panikattacke. So wurde es mir jedenfalls erklärt. Seit ich das weiss, schenke ich dem keine Beachtung mehr. Ich weiss, dass nichts passieren kann.
Richtig stressig wird es aber, wenn ich in eine Stadt gehe. Dann gibt es sehr viele Geräusche, Bewegungen. Das ist dann wirklich schlimm. Das kann bei mir zu einer Verengung des Sehfeldes führen. Auch zu Kopfschmerzen und extremen Schwindel. Daher halte ich es nicht lange in einer Stadt aus. Die Hektik und der Lärm sind zu gross für mich.
Wenn ich mit mir noch unbekannten Personen sprechen muss, so ist es für mich unmöglich, zu erkennen, was die Person meint. Ich kann auch ihre Gesichtszüge nicht auswerten. Wenn ich die Person dann besser kenne, dann kann ich anhand der Stimme darauf reagieren. Doch, wenn sie, und das machen Frauen häufig, die Frisur ändern, dann wird es schwierig. Denn nur die Haare zusammenbinden, bedeutet für mich, es ist eine neue Person. Erst wenn ich die Stimme höre, weiss ich, wer es ist. Kleider spielen für mich keine Rolle. Es ist egal wie die Person angezogen ist.
Die erwähnten Situationen sind für mich wie geschrieben, nicht einfach. Sie schränken mich ein. Daher meine Behauptung, dass Autismus eine Behinderung ist. Behinderung, bedeutet, das man behindert wird. Also ein Hindernis hat, das man nicht oder nur schwer überwinden kann.
Viele schreiben oder sagen, das der Autismus eine andere Sichtweise ist. Das ist richtig. Es ist so. Ich nehme Dinge wahr, die eine normaler Mensch nicht wahr nimmt. Aber eigentlich auch nicht muss. Denn ich sehe Details, aber nicht das Ganze. Also muss ich alles analysieren, und zu einem Ganzen versuchen zusammenfügen. Das ist auch eine Behinderung. Denn Details sind im Alltag nicht gefragt. Im Beruf ist es was anderes. Doch selbst da ist es nicht immer gefragt. Aber ich kann nicht anderes.
Wichtig ist, dass man damit leben lernt. Ich bin auch froh, dass ich eine sehr gute Therapeutin habe. Denn sie hilft mir scheinbar banale Sache zu verstehen. Doch komme ich immer mal wieder an meine Grenzen. Und es ist wichtig, dass man auch zugibt, dass man die Grenze erreicht hat.