Dieses Blog durchsuchen

Translate

Dienstag, 1. November 2011

Autismus und Beruf

Ruhe. Dass ist es, was ein Arbeitsplatz braucht. Keine Hektik. Unvorhergesehenes ist nicht erwünscht. Telefonate müssen auf ein Minimum reduziert sein, oder noch besser, ganz weggelassen werden. Denn es stört extrem. Wenn es sich aber nicht vermeiden lässt, so muss geregelt sein, wer wann das Telefon abnimmt, und was danach geschieht. Telefonate sind darum so belastend, weil man nie weiss, wer anruft, und was die Person will. Das stört den Ablauf.
Ich habe jahrelang in einem Büro gearbeitet, wo genau das Alltag war. Telefonate den ganzen Tag lang. Das war sehr belastend, aber ich habe es mit der Zeit hingekriegt. Heute würde ich aber so eine Stelle nicht mehr annehmen.
Genau Regeln sind unabdingbar. Wer empfängt Kunden, was wird gesagt. Alles muss seinen genauen Platz haben. Wenn es geht, sogar angeschrieben. Die Räume sollten so wenig Bilder wie möglich haben. Am besten gar keine. Das lenkt ja nur ab. Der Lärmpegel sollte klein sein. Grabesstille muss auch nicht sein. Aber nicht die Hektik und der Lärm, welcher in manchen Büro herrscht.
Sitzungen sind auch so ein Thema. Sie lassen sich nicht vermeiden. Sind sogar wichtig. Doch sollten sie früh genug angekündigt werden. Und nicht: "In 5 Minuten". Das ist nicht gut. Auch sollte an den Sitzungen nur das behandelt werden, um was es geht, und nicht noch andere Dinge. Da Sitzungen für Autisten sehr anstrengend sind, sollte sie nur sachlich geführt werden, und nicht noch emotional. Das ist für einen Autisten fast nicht verständlich. Auch sollten die Informationen so weitergegeben werden, wie sie gemeint sind. Es sollte alles klar formuliert werden, und keinen Spielraum für Interpretationen lassen. Das führ nur zu Verwirrung, respektive sogar dazu, dass die Arbeit nicht gemacht wird, oder falsch. Denn nachfragen ist nicht so mein Ding.
Es sollte aber auch die Möglichkeit bestehen, sich austauschen zu können. Denn in Gesprächen erfährt man so einiges. Auch wenn eine Diskussion mal länger dauert, sollte sie nicht mit dem Hinweis "Keine Arbeit" unterbrochen werden. Denn es wird ja sachlich diskutiert. Es geht um etwas, was mit der Arbeit zutun hat.
Gut für Autisten ist eine Umgebung die aus einem Gemisch von Autisten und Normalos besteht. Denn auch wir können von ihnen lernen. Das ist auch wichtig. Die Lernbereitschaft ist sogar ganz wichtig. Ein Unternehmen muss auch rentieren. Also müssen sich auch Autisten an gewisse Regeln halten. Der Autismus soll nicht eine Freikarte für eine Stelle sein. Denn das ist falsch. Die Eignung muss genau abgeklärt werden. Dies ist am einfachsten, wenn die Person einige Tage oder sogar Wochen im Betrieb arbeitet. Da sieht man schnell, wie er mit den Situationen fertig wird. Auch wie flexibel er ist. Denn in der Arbeitswelt geht es ja nie ideal zu und her. Also ist meiner Meinung nach eine gewisse Flexibilität ein Muss.
Die ist aber nicht für alle möglich, das weiss ich. Aber auch ein Autist ist lernfähig. Wer eine normale Schule oder sogar eine Studium absolviert hat, der hat dies auch gelernt.
Pausen und Freizeit sind auch wichtig. Es ist zwingen, dass es eine strikte Pausenregelung gibt. Auch was die Arbeitszeit anbelangt. Das muss auch geregelt werden. Wer von wann bis wann arbeitet. Klar kann dies nicht immer eingehalten werden. Aber es sollte die Ausnahmen sein, und nicht zur Regel werden. Denn ein struckurierter Tagesablauf ist wichtig. Es geht nicht darum, dass man keine Überzeit machen will. Sondern, dass man Grenzen hat. Viele kenne keine Grenzen. Sie arbeiten einfach, und vergessen die Zeit. Dies kann zu einem Burnout oder Depressionen führen. Ich selber habe genau das erlebt. Es ist nicht angenehm, wenn man danach in eine Klinik muss.
Doch ich sehe den Autismus auch als Chance für Arbeitgeber. Sie kriegen sehr zuverlässige loyale Mitarbeiter.